Wintersession

Hoteliers kämpfen gegen Knebelverträge von Buchungsplattformen – lenkt der Ständerat ein?

Hotels sollen direkt günstigere Preise anbieten dürfen als sie dies auf Buchungsplattformen tun. Gaetan Bally/Keystone

Hotels sollen direkt günstigere Preise anbieten dürfen als sie dies auf Buchungsplattformen tun. Gaetan Bally/Keystone

Der Ständerat berät heute einen Vorstoss, der Online-Buchungsplattformen einschränken will.

Eine breite Koalition macht sich gegen Hotelbuchungsplattformen wie Booking.com auf. 20 Ständeräte der SP, CVP, BDP; FDP und SVP haben einen Vorstoss von Pirmin Bischof unterzeichnet. Der Solothurner CVP-Ständerat will gegen die Vertragsklauseln vorgehen, welche die Plattformen den Hotels vorschreiben. Konkret wollen Bischof und seine Mitstreiter den Hotels ermöglichen, günstigere Preise anzubieten als sie dies auf den Buchungsplattformen tun. Dies ist den Hoteliers zurzeit untersagt, weshalb Bischof von einem Knebelvertrag seitens der Online-Plattformen spricht. Der Ständerat wird den Vorstoss heute behandeln.

Profiteur dieser Klausel sei vor allem Booking.com, während die unternehmerische Freiheit der Hoteliers spürbar eingeschränkt werde, schreibt Bischof in seinem Vorstoss. Der Politiker hat Booking.com deshalb im Visier, weil dieser hierzulande mit Abstand der grösste Anbieter ist. Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft & Tourismus Wallis kommt die Plattform, die zum US-Konzern Priceline gehört, auf einen Marktanteil von knapp 70 Prozent. Andere Plattformen wie HRS oder Expedia verfügen über einen Anteil von weniger als 10 Prozent. Heute könne es sich kaum mehr ein Hotel leisten, auf den Vertriebskanal der OnlineBuchungsplattform zu verzichten, schreibt Bischof.

Den Schweizer Hoteliers sind die Buchungsplattformen schon länger ein Dorn im Auge. Sie wurden deshalb bei der Wettbewerbskommission (Weko) vorstellig. Diese fand in ihrer Verfügung vom Herbst 2015 zwar starke Indizien, dass Booking.com über eine marktbeherrschende Stellung verfüge. Einen Missbrauch dieser Position könne sie aber nicht erkennen. Die Weko verfügte daher nur, dass Hoteliers nicht mehr gezwungen werden dürfen, allen Plattformen den gleichen Preis anzubieten. Allerdings können die Buchungsplattformen weiterhin verlangen, dass die Hoteliers auf ihrer eigenen Website keine günstigeren Preise anbieten dürfen.

Hohe Kommissionen

Mit dem Entscheid habe die Weko die Abhängigkeit der Hotels von den Buchungsplattformen zementiert, statt diese einzuschränken, sagt Christophe Hans, Leiter Wirtschaftspolitik des Verbands Hotellerie Suisse. Durch den Knebelvertrag könnten die Hotels nicht mehr so flexibel reagieren, etwa wenn es darum gehe, kurzfristig freie Zimmer auszulasten. Hinzu komme, dass die hiesigen Hoteliers im Vergleich zu den Nachbarländern einen Nachteil hätten. In Deutschland, Frankreich und Österreich sei diese Vertragsklausel verboten, in Italien werde ein entsprechendes Gesetz voraussichtlich im nächsten Jahr verabschiedet.

Derweil werden die Plattformen wie Booking.com und Expedia für die Hotels immer wichtiger. Laut der Studie der Walliser Hochschule werden in der Schweiz bereits 27 Prozent aller Buchungen über die Online-Anbieter abgewickelt. Dabei zahlen die befragten Hotel den Online-Plattformen im Schnitt 30 000 Franken an Kommissionen pro Jahr. Einzelne Hoteliers sollen in Spitzen sogar bis zu 45 000 zahlen.

Die Kommissionen der Buchungsplattformen führen denn auch immer wieder zu Diskussionen. Will man die Platzierung auf Booking.com verbessern, würden Kommissionen bis zu 50 Prozent fällig, klagen Hoteliers.

Booking.com relativiert diese Aussage. Es handle sich dabei um eine selbst wählbare Maximalkommission, die selten gewählt werde, sagt Peter Verhoeven, Europa-Chef der Online-Plattform, in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Normalerweise verlange die Firma je nach Stadt eine Kommission von 12, 15 oder 17 Prozent.

Angst vor Trittbrettfahrer

Verhoeven wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Firma vereinbare Knebelverträge mit den Hotels. Booking.com verlange keine Grundgebühr, keine Eintrittsgebühr und keine maximale Vertragsdauer. «Wir glauben nicht, dass Knebelverträge so aussehen.» Das Verbot für die Hotels, auf der eigenen Homepage tiefere Preise anzubieten, sieht Verhoeven als Absicherung. Denn sonst hätte Booking die Marketingkosten bezahlt, das Hotel könne aber gratis Trittbrett fahren. Von den Kunden, die direkt bei einem Hotel buchten, hätten 40 Prozent das Hotel ursprünglich auf einer Onlineplattform entdeckt. Dies zeigten Umfragen.

Der Bundesrat lehnt den Vorstoss von Bischof ab. In seiner Antwort verweist er auf den Entscheid der Weko. Es sei fraglich, inwiefern der Wettbewerb erheblich und ungerechtfertigterweise durch die kritisierte Vertragsklause behindert werde. Sollte sich aufgrund weiterer Abklärungen erweisen, dass der Wettbewerb unzulässig behindert werde, könne die Weko gestützt auf das Kartellgesetz erneut eingreifen. Die Weko habe sich dies in ihrem Entscheid ausdrücklich offengehalten.

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