Megafusion

Holcim und Lafarge planen Elefantenhochzeit in der Zementbranche

Logo des Schweizer Zementherstellers Holcim (Archiv)

Logo des Schweizer Zementherstellers Holcim (Archiv)

Möglicherweise entsteht über das Wochenende der mit Abstand grösste Zementkonzern der Welt: Die beiden Branchenleader Holcim und Lafarge aus Frankreich sprechen über eine Fusion. Das teilten die Unternehmen am Freitagabend mit.

Die Gespräche seien weit fortgeschritten, aber es sei noch keine Übereinkunft erzielt worden. Gemäss der Mitteilung sind beide Unternehmen davon überzeugt, dass sich ihre Geschäfte hervorragend ergänzen. Eine Fusion habe Vorteile für Kunden, Angestellte und die Aktionäre. Angestrebt wird eine Fusion «unter gleichen», welche die Stärken beider Konzerne verbinden soll.

Es gibt zwar einige geografische Überschneidungen. Aber es gibt noch mehr Regionen wie der Mittlere osten oder Lateinamerika, wo sich beide Konzerne gut ergänzen würden.

Bloomberg hatte die Nachricht unter Berufung auf mit den Gesprächen vertrauten Personen gestern Nachmittag publik gemacht. Die Holcim-Aktie sprang um 6,9 Prozent nach oben. In Paris verteuerte sich Lafarge um fast 9 Prozent. Die Fusion würden einen 40-Milliarden-Franken-Umsatzkoloss schaffen - wenn die Kartellwächter ihren Segen geben.

Geldvernichter

Der Kurssprung an den Börsen hat einen einfachen Grund: Holcim gilt als Paradebeispiel für einen grossen Schweizer Konzern, der seine Kapitalkosten nicht verdient. Lafarge steht nur unwesentlich besser da.

Der Grund ist einfach: Zement ist ein global leicht erhältliches Massengut. Es ist wichtig in stark wachsenden aufstrebenden Ländern wie China, Indien oder Brasilien. Zement wird für fast alles gebraucht: Strassen, Eisenbahnen, Brücken, Häuser, Staudämme und Türme. Neben unzähligen lokalen Herstellern gibt es sechs grösser globale Hersteller: Neben Holcim und Lafarge die Konzerne Buzzi, Cemex, Heidelberg Cement und Italcementi. Zusammen kommen sie laut Analysten auf einen Marktanteil von 40 Prozent.

Die Herstellung des billigen Stoffes ist energieintensiv. Zement ist sehr schwer, der Transport lohnt sich nur bis Strecken über 200 Kilometer. Dann wird der Transport rasch teuerer als die Produktion. Das macht die Märkte zwangsläufig lokal.

Lokale Player führen

Synergien und Skaleneffekte lassen sich nie herstellen, schon gar nicht auf globaler Ebene. Es ist deshalb für die lokalen Firmen einfacher, ihre Märkte bis an die Grenze der vernünftigen Transportkosten auszudehnen, als für globale Firmen, in lokale Märkte einzudringen. Lediglich 3 Prozent der globalen Produktion werden über Ländergrenzen verschoben.

Deshalb entstanden bisher Ogliopole, für die sich in regelmässigen Abständen auch die Wettbewerbswächter interessierten.
Geblieben ist trotz der Krise die globale Überproduktion. In Europa ist die Bauwirtschaft speziell in den Ländern am Mittelmeer am Boden. Die Nachfrage ist unter dem Angebot. Immerhin gibt es laut Analysten einige Hoffnungsschimmer wie beispielsweise der private Wohnungsbau in Nordamerika. Auch weitere Märkte wie die Türkei oder Indonesien gelten als attraktiv.

Hohe Energiekosten

Die meisten Konzerne haben ihre Bilanzen bereinigt, aber Kostensparprogramme, wie sie auch Holcim ständig hat, sind notorisch. Etwas unverhoffte Erleichterung gab es durch die Erschliessung von unkonventionellen Erdgas- und Erdölquellen in Nordamerika. Die Energiekosten sind ein sehr wichtiger Kostenfaktor bei der Herstellung. In Nordamerika wurde dafür bisher oft Kohle eingesetzt. Diese wurde in den letzten drei Jahren durch Erdgas abgelöst.

Der Stoff verbrennt zwar viel sauberer. Aber nach dem kalten Winter sind die Erdgaslager in den USA auf den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre gefallen. Bereits jetzt steigen die Preise für das Gas an den Energiemärkten.

Und das bringt die Zementkonzerne wiederum unter Druck - denn aufgrund des Überangebots können sie höhere Energiekosten nicht in den Zementpreisen weitergeben. 

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