Hohe Flexibilität ist gefordert

Nicht alle, die in diesem Sommer ihre Lehre beenden, werden auch eine Festanstellung finden. (Bild: Hanspeter Bärtschi)

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Nicht alle, die in diesem Sommer ihre Lehre beenden, werden auch eine Festanstellung finden. (Bild: Hanspeter Bärtschi)

Die Quoten zeigens deutlich: Im April waren im Kanton Solothurn 8.3 Prozent der 20- bis 24-Jährigen auf Stellensuche. Aber Panik ist nicht angesagt. Die jungen Lehrabgänger sind oft mehrmals, im Durchschnitt aber «nur» drei Monate arbeitslos. Dreiviertel von ihnen finden rasch wieder eine Arbeit.

Astrid Bucher

Lehrabgänger haben einen Nachteil: Es fehlt ihnen die Berufspraxis. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten schützt sie auch ein ausgezeichnetes Diplom nicht vor der Arbeitslosigkeit. «Eine relativ schwierige Situation für die Betroffenen», stellt Jonas Motschi, Leiter vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn (AWA), fest. Trotzdem bereiten ihm die 20- bis 24-jährigen Arbeitslosen nicht die grössten Sorgen: «Sie sind in der Regel während rund drei bis vier Monaten auf Stellensuche», spricht Motschi aus Erfahrung. «Weil sie mobil und offen für alles sind, finden rund Dreiviertel rasch wieder Arbeit.» Die Arbeitslosigkeit unter Lehrabschluss-Abgänger werde sich im Sommer aber verschärfen, schätzt Motschi die Situation ein.

Junge erhalten öfters die Kündigung

«Die Spitze der kurzfristigen Jugendarbeitslosigkeit wird in diesem Jahr sicher höher ausfallen», sagt Anton Bolliger, Fachbereitsleiter Arbeitsmarkt, bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern, über die aktuelle Lage. Zurzeit zeigt sich die Situation zwar nicht schlechter als im Vorjahr: «Allerdings gibt es deutlich weniger Stellen auf dem Markt und das überträgt sich auf die Lehrabgänger», sagt Bolliger. «Wie sich die Folgen des Konjunktureinbruchs im vergangenen Herbst mittelfristig auf den Stellenmarkt auswirken wird, können wir noch nicht einschätzen», sagt der Fachbereichsleiter. Er will die jetzige Situation darum nicht dramatisieren.

Bolliger verweist auf die Statistik: «Die Gruppe Jugendarbeitslose kann in drei Bereiche eingeteilt werden: junge Erwachsene ohne Arbeit wegen Stellenmangel, solche die gleich nach der Lehre in einen anderen Beruf wechseln und durch Ausbildung oder Militärdienst keine Kontinuität im Beruf aufbauen und schliesslich die jungen Arbeitnehmer, welche am wenigsten lang in einer Firma angestellt sind und wegen Sparmassnahmen rasch wieder gekündigt werden», zählt Bolliger auf. «Junge Berufsleute müssen heutzutage aufgrund der wirtschaftlichen Situation halt öfters mit einer Kündigung rechnen», sagt Bolliger. Früher hätte man das ganze Leben lang einen Beruf ausgeübt, heutzutage ist das anders, hohe Flexibilität wird gefordert.

Zum Appell zur Bekämpfung der Jugendarbeitsloisgkeit von Bundesrätin Doris Leuthard, dass die Ausbildungsanstrengungen nicht eingeschränkt werden dürfen und Lehrabgänger weiterhin beschäftigt werden sollen, meint Jonas Motschi: «Das ist eine Möglichkeit und wird auch von der Solothurner Regierungsrätin Esther Gassler unterstützt.» Aber: «Wenn keine Arbeit vorhanden ist, dann nützt es auch nichts, wenn man die Leute weiter beschäftigt», sagt Jonas Motschi.

Sich Netzwerke erarbeiten

Um der Jugendarbeitslosigkeit entgegen zu wirken, gibts in den Kantonen Bern und Solothurn verschiedene Massnahmen. Zielpublikum sind junge Arbeitslose direkt nach der Lehre und Wiedereinsteiger. Für diese werden Ausbildungspraktikas in Firmen angeboten, wo sie ihre Kenntnisse vertiefen können. «Wir bauen die Anzahl der Praktikumsplätze auf Mitte Sommer im Kanton Bern um 40 Prozent aus», sagt Anton Bolliger. «Wir gehen davon aus, dass sich die Situation verschärfen wird und solche Plätze vermehrt benötigt werden», ist Bolliger überzeugt.

Das Angebot wird in beiden Kantonen von der Arbeitslosenversicherung subventioniert. Die Betriebe übernehmen rund 25 Prozent der Lohnkosten - laut Bolliger zirka 500 Franken im Monat. «Weil diese Arbeit real ist, können sich Stellensuchenden wichtige Netzwerke aufbauen», hebt Bolliger einen Vorteil hervor. «Die Arbeitspraktikas dürfen aber keine Konkurrenz zu Lehrstellen sein», verweist Motschi auf die Nachteile. «Es darf nicht sein, dass Firmen Praktikanten beschäftigen - also eine billigere Arbeitskraft einsetzen - und dafür weniger Lehrlinge anstellen. Wenn wir ehrlich sind, ists halt schliesslich oft so», fügt Motschi an.

Üben, üben, üben - aber nur virtuell

Ein weiteres Angebot bieten Übungsfirmen, wo nicht vorhandene Arbeit virtuell generiert wird. In allen Wirtschaftsbranchen können in einem praxisnahen Umfeld Erfahrungen und Berufskenntnisse gesammelt werden. So kauft und verkauft eine Firma im Handelsbereich zum Beispiel zusammen mit anderen Übungsfirmen fiktive Produkte. Durch die verschiedenen Vorgänge zwischen den Firmen können wirkliche Arbeiten in den Bereichen Verwaltung, Finanzen oder Buchhaltung geübt werden. Diese Massnahme ist für Personen geeignet, deren Mangel an direkter praktischer Erfahrung sich bei der Arbeitssuche als nachteilig erweist.

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