Promarca, der Verband der Markenhersteller in der Schweiz, lässt regelmässig das deutsche Beratungsunternehmen Deekeling Arndt Advisors die Bruttomargen europäischer Detailhändler analysieren und verschickt die Auswertung intern an seine rund 90 Mitglieder wie Nestlé, Emmi oder Lindt. Der «Schweiz am Sonntag» liegt die neuste Auswertung vor.

Die Resultate der Auftragsstudie zwingen die Händler dazu, ihre Preise im Regal – Stichwort Hochpreisinsel – zu rechtfertigen. Denn Migros und Coop weisen die mit Abstand grössten Bruttomargen Europas auf. Coop kam 2015 auf einen Wert von 29,8 Prozent, eine Zahl, die man laut Coop-Vizechef Philipp Wyss auch im letzten Jahr halten konnte.

Noch grösser ist das Migros-Polster: 40,2 Prozent. «Die Frage ist, ob solche Margen marktüblich sind, also auf Eigenleistung beruhen, oder ob sie auch Ausdruck von Marktmacht sind», sagt Patrick Krauskopf, Kartellrechtsexperte und Ex-Vizedirektor der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) in der «Schweiz am Sonntag». «Im Falle von Coop und Migros kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch aufgrund eines Marktmachtmissbrauchs zustande kommen.»

Preisüberwacher Stefan Meierhans spricht von einer «geringeren Wettbewerbsintensität» in der Schweiz, Weko-Vizedirektor Patrik Ducrey von einem «faktischen Duopol». Die hohe Marktkonzentration sei mit ein Faktor, dass die Preise hierzulande höher seien. «Während sich deutsche Händler wie Rossmann und dm bei Shampoo, Zahnpasta oder Make-up einen gnadenlosen Preiskampf liefern, tun sich Coop und Migros gegenseitig kaum weh.»

Bei früheren Weko-Befragungen hätten Coop und Migros keine eindeutigen Beweise geliefert, dass sie alle Preisvorteile beim Einkauf an die Kunden weitergeben, sagt Ducrey in der «Schweiz am Sonntag». «Die hohen Bruttomargen sind eine Blackbox.»

Mit der Auswertung konfrontiert, verweisen Migros und Coop darauf, dass sie viele Produkte in eigenen Fabriken herstellten. Diese müssten generell mit einer höheren Bruttomarge wirtschaften. Ein weiterer Punkt sei die Kostenstruktur in der Schweiz mit höheren Löhnen und Mieten. Beide Händler betonen zudem die steigende Konkurrenz im Ausland und im Internet, was zu einer Wettbewerbsverschärfung geführt habe.

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