Die Isocyanate fand ein Labor im Auftrag der Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg, wie die "SonntagsZeitung" berichtete. Die Organisation gab die Ergebnisse in einem Communiqué vom Sonntag bekannt.

Beim Laborversuch wurde nicht getestet, ob die Isocyanate beim Rauchen inhaliert werden und wie sie sich auf die Gesundheit auswirken. Die Forscher erhitzten Filterteile auf 100, 160 und 200 Grad. Ganze Filter wurden bei 100 Grad getestet. Im Normalgebrauch erhitzt das Gerät den Tabak laut Herstellerangaben auf 250 bis 300 Grad weit stärker, wie das Blaue Kreuz schreibt.

Bei den Messungen mit dem Gaschromatograf-Massenspektrometer zeigten sich mögliche flüchtige Verbindungen und eben die Isocyanate. Konkret fand das Labor Diisopropylphenylisocyanit und Diisopylanilin.

Für Bhopal-Katastrophe verantwortlich

Isocyanate sind ein gefährliches Gift. Sie schädigen die Membranen menschlicher Zellen. Sie kommen unter anderem in Lösungsmitteln, Beschichtungen, Lacken oder Industrieschäumen vor. Für Arbeitsplätze gelten strenge Vorschriften.

Die Schadstoffe können zu Augenverletzungen wie Hornhautschäden und Atemwegsreizungen bis hin zu Asthma oder der obstruktiven chronischen Lungenerkrankung COPD führen. Daneben können sie allergische Reaktionen hervorrufen. Das Einatmen aus der Umgebungsluft kann bereits nach einem Jahr zu tödlichen Krankheiten führen.

1984 entwichen im indischen Tank einer Pestizidfabrik des US-Chemiekonzerns Union Carbide im indischen Bhopal rund 40 Tonnen eines Isocyanats. Das führte zur Katastrophe von Bophal, die über 2800 Menschen das Leben kostete. Mehrere Hunderttausende trugen schwere Verletzungen wie Augen- und Schleimhautschäden davon.

"Risikoreduziertes" Produkt

Der Marlboro-Produzent Philip Morris teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit, die Isocyanate aus dem Filter würden nicht inhaliert. Das habe das Unternehmen bis ins Detail erforscht und dabei keine Isocyanate festgestellt. Zudem habe das vom Blauen Kreuz beauftragte Labor die Filter nicht unter realitätsnahen Bedingungen getestet, sondern in einem Ofen erhitzt.

Die Tabakkonzerne sehen in Zigaretten-Alternativen wie Iqos die Zukunft. Nach eigenen Angaben will Philip Morris künftig zwei Fünftel seines Umsatzes mit sogenannten risokoreduzierten Produkten erzielen.

In dem Erhitzer in Form eines Halters wird der Tabak nicht mehr verbrannt sondern erhitzt. Philip Morris legte Studien vor, die zeigen sollen, dass beim Tabakerhitzen fast alle krebserregenden Schadstoffe eliminiert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist alarmiert.

Neben Philip Morris sind auch Anbieter wie Japan Tobacco International und British American Tobacco mit Erhitzern am Markt. Philip Morris hat seinen Hauptsitz in Lausanne.