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Herrscher im Imperium der Maus – wer ist der neue Chef von Walt Disney

Bob Chapek, der bisher die Freizeitpark-Sparte führte, ist neuer Chef von Disney. (Bild: Getty Images)

Bob Chapek, der bisher die Freizeitpark-Sparte führte, ist neuer Chef von Disney. (Bild: Getty Images)

Führungswechsel an der Spitze der Walt Disney Company: Bob Chapek ersetzt Bob Iger, den langjährigen Konzernchef. Was steckt hinter diesem überraschenden Wechsel?

Das Gerücht stimmt nicht: Der Wirtschaftskapitän Bob Iger strebt keine Präsidentschaftskandidatur an, obwohl ihm doch schon lange politische Ambitionen nachgesagt werden. «Ich glaube, dafür ist es zu spät», sagte der langjährige Chef des Walt-­Disney-Konzerns im Gespräch mit der «New York Times».

Der 69-jährige Iger überraschte diese Woche die amerikanische Unternehmenswelt mit der Ankündigung, dass er ab sofort ins zweite Glied trete und bis Ende 2021 nur noch als Verwaltungsratspräsident des Unterhaltungskonzerns tätig sein werde. Zu seinem Nachfolger als Konzernchef wurde – auch das eine Überraschung – Bob Chapek ernannt, der bisher für die Freizeitpark-Sparte verantwortlich war.

Zuvor war immer mal wieder Kevin Mayer, zuständig für das immer wichtigere Geschäft mit den Streaming-Diensten – Disney+, ESPN+ und Hulu – als möglicher Nachfolger für den seit 2005 amtierenden Iger genannt worden.

Chapek leistete gute Arbeit bei Freizeitpark-Sparte

Chapek arbeitet seit 1993 für Disney. Niemand zweifelt daran, dass er den Konzern in- und auswendig kennt und neue Her­ausforderungen sportlich angeht; von Chapek stammt zum Beispiel die Idee, alte Zeichentrickfilm-Klassiker des Konzerns wie «Schneewittchen und die sieben Zwerge» auf DVD und Blu-ray Disc zu veröffentlichen.

Seit 2015 steht er der Freizeitpark-Sparte vor, die weltweit gegen 170000 Angestellte beschäftigt und gemäss den aktuellen Quartalszahlen fast 60 Prozent zum Unternehmensgewinn beisteuerte. Die Sparte ist zudem auch die einträglichste des Disney-Konzerns, mit einer Marge von mehr als 30 Prozent im vergangenen Quartal.

Im aktuellen Quartal werden die Zahlen der Sparte wohl weniger gut ausfallen, sind doch derzeit aufgrund des Corona-Virus die Disney-Parks in Schanghai, Hongkong und Tokio geschlossen.

In ersten Stellungnahmen wurde die Beförderung von Chapek, der in seinem 60. Lebensjahr steht, weitherum gelobt. «Er ist eine richtig nette Person, und Teil der Disney-Kultur, was wichtig ist», sagte der Medienanalyst Michael Nathanson der «New York Times». Und Tuna Amobi sagte der Branchenpublikation «Hollywood Reporter»: Chapek sei eine pragmatische Wahl, auch weil er über einen grossen Erfahrungsschatz verfüge. Nun müsse der neue Disney-Chef aber in die Fussstapfen Igers treten.

In der Tat: In Hollywood gilt Bob Iger buchstäblich als lebende Legende – weil es ihm gelang, den grossen Tanker Disney auf Kurs zu halten und mit Zukäufen und Innovationen den veränderten Kundenbedürfnissen anzupassen. So verschmolz Iger im vorigen Jahr das Studio-Imperium von Medienbaron Rupert Murdoch – Kaufpreis: 71 Milliarden Dollar – mit der bereits bestehenden Disney-Filmfabrik, zu der dank zahlreichen Zukäufen auch Pixar, Marvel Studios und Lucasfilm gehören.

Sieben der zehn erfolgreichsten Hollywood-Streifen im vergangenen Jahr wurden von Walt Disney produziert oder vertrieben. Der Spitzenreiter? Der Actionfilm «Avengers: Endgame», der allein in Amerika 858 Millionen Dollar einspielte.

Ebenfalls im vergangenen Jahr lancierte Iger den neuen Streaming-Dienst Disney+, der gemäss Iger «sämtliche Erwartungen» übertroffen habe und Ende 2019 bereits 26,5 Millionen Abonnenten zählte. Zum Vergleich: Apple TV, der billigere Streaming-Dienst des Technologiekonzerns, hatte Ende des vorigen Jahres gemäss unabhängigen Schätzungen gegen 34 Millionen Abonnenten.

Iger kümmert sich weiter um Disneys kreative Seite

Bob Iger wird bis zu seinem definitiven Rücktritt verantwortlich für die «kreative Seite unseres Geschäfts» sein. Er habe sich dies ausdrücklich ausbedungen – wohl auch, weil Chapek bisher keine Erfahrung mit der Produktion von Filmen hat. «Die Firma ist grösser und komplexer geworden», sagte Iger im Gespräch mit Analysten. Deshalb sei es sinnvoll, wenn er den Rest seiner Dienstzeit dafür aufwende, sicherzustellen, dass Disney kreativ bleibe.

Zu Konflikten mit Bob Chapek, dem eigentlichen Konzernchef, werde es dabei nicht kommen, sagte Iger. «Wir kennen uns gut», sagte er im Gespräch mit dem Wirtschaftssender CNBC. «Wir sind überhaupt nicht beunruhigt, dass dies zu Konfusionen führen wird.» Und Chapek sagte: «Es ist ein Privileg, Iger an meiner Seite zu wissen, weil dies den Führungswechsel erleichtern wird.» Chapek ist übrigens erst der siebte Konzernchef in der 100 Jahre alten Geschichte der Walt Disney Company.

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