Flugverkehr

Helvetic-Besitzer Ebner setzt auf grüne Welle und sagt: «Wir können Flugzeuge in ganz Europa stationieren»

Eine umweltfreundliche Flotte: Martin Ebner vor einem neuen Embraer-Jet (am 31. Oktober 2019 in Zürich).

Eine umweltfreundliche Flotte: Martin Ebner vor einem neuen Embraer-Jet (am 31. Oktober 2019 in Zürich).

Die Airline Helvetic steigt ins Geschäft mit Pauschalreisen ein. Mittelfristig will Besitzer Martin Ebner die Gesellschaft in ganz Europa verankern - als Dienstleister für andere.

Die Aviatik steht vor einer strukturellen Veränderung. Dessen ist sich Martin Ebner sicher. Dem Milliardär gehört die Airline Helvetic. Nun sieht er die Zeit für eine neue Strategie gekommen. Denn schon mit seiner Bank sei er erfolgreich gewesen, weil er solche Umwälzungen erkannt habe, sagte Ebner am Mittwoch vor den Medien. Die Veränderung, von der er spricht, nennt er selbst «die grüne Welle»: «Wir sind die Ersten in Europa, die auf die grüne Karte setzen.»

Helvetic will die umweltfreundlichste Flotte Europas betreiben. Dazu hat sie beim brasilianischen Hersteller Embraer zwölf Regionaljets des Typs E190-E2 bestellt, zusammen mit einer Option auf zwölf weitere Flugzeuge. Fünf wurden bereits ausgeliefert, weitere drei sollen bis im März 2021 folgen. Bei den letzten vier Maschinen, die bis Juli 2021 geliefert werden, gönnt sich die Airline ein Upgrade auf den grösseren Typ E195-E2, der 134 Sitzplätze und damit 24 mehr bietet.

Deutlich weniger CO2 und Stickoxide

Die neuen Flugzeuge sind deutlich effizienter als die Konkurrenz. Im Vergleich zu einem Airbus A319 sollen die E195-E2 laut Helvetic etwa 22 Prozent weniger Treibstoff pro Passagier verbrennen. Im Vergleich zum grösseren Konkurrenzmodell Airbus A320 beträgt die Einsparung immer noch 6 Prozent. Das spart Treibstoffkosten.

Andererseits schneiden die neuen Flugzeuge auch bei den CO2- und Stickoxid-Emissionen besser ab. Auf einem Flug von München nach Nantes stösst ein fast voll besetzter E195-E2 knapp 65 Kilo CO2 pro Passagier aus - fast ein Drittel weniger als die Airbus-Konkurrenzmodelle A319 und A320.

Airlines kämpfen mit Schuldenlast

Das ist wichtig, weil Airlines in Europa für ihre Emissionen CO2-Zertifikate kaufen müssen. Ein Teil wird ihnen kostenlos zugewiesen, den anderen Teil müssen sie ersteigern. Die Preise für solche Zertifikate sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Das geplante internationale Branchenabkommen Corsia wird die finanziellen Anreize für Airlines weiter verschärfen, möglichst umweltschonend zu fliegen.

Helvetic setzt darauf, dass Airlines dafür ihre Flotte in Anspruch nehmen. «Der Druck auf die anderen Gesellschaften, davon Gebrauch zu machen, wird zunehmen», sagt Ebner:

Unter Wet-Lease wird das Geschäft verstanden, bei dem eine Airline für andere Flüge durchführt - mit der eigenen Flotte und der eigenen Besatzung, aber ohne wirtschaftliches Risiko.

Wet-Lease wird wichtiger

Die Coronakrise könnte Helvetic in die Hände spielen, hofft Ebner. Airlines, die Staatshilfe in Anspruch genommen haben, dürften in den nächsten Jahren damit beschäftigt sein, die Kredite und die Zinsen zu tilgen. «Neuanschaffungen kommen für viele nicht in Frage», so Ebner. «Wir können diese Airlines im regionalen Verkehr unterstützen.»

Ein grosser Teil des Umsatzes erzielt die Airline allerdings weiterhin mit Flügen für die Swiss. Acht Flugzeuge stehen laut dem Vertrag für die Lufthansa-Tochter im Einsatz. Nach einer Coronapause sollen Helvetic-Flugzeuge im August wieder für die Swiss abheben. Auch für die virtuelle Berner Airline FlyBair fliegt Helvetic im Wet-Lease-Modell. Auf die Schweiz beschränken will sich die Airline nicht: «Wir können Flugzeuge in ganz Europa stationieren», sagt Ebner dieser Zeitung.

Doch noch ist kein neuer Vertrag spruchreif. Helvetic will die Flugzeuge nun mit Pauschalreisen füllen. So fliegt sie diesen Sommer auf die kroatische Insel Brac, nach Vilnius oder Dubrovnik. Die Trips dauern zwei Tage und werden in Zusammenarbeit mit Reiseanbietern wie The Chedi, Meersicht oder Golf and Travel aufgelegt. Sie beinhalten ein Kultur- oder Sportprogramm und das Hotel. Solche Reisen könnten sehr kurzfristig organisiert werden, sagt Ebner. Verdienen werde man daran nichts:

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