Helsana knüpft sich teure Spitäler vor

Helsana knüpft sich teure Spitäler vor

Schülerin aus Baar muss mit Tuberkulose ins Spital (Symbolbild)

Schülerin aus Baar muss mit Tuberkulose ins Spital (Symbolbild)

Die ambulanten Spitalkosten in der Schweiz steigen rasanter als alle anderen Kostenblöcke in der obligatorischen Grundversicherung. Jetzt zieht die grösste Krankenkasse Helsana gegenüber den Spitälern die Schraube an: Sie nimmt die Kostenentwicklung der Spitäler genauer unter die Lupe.

Nach Recherchen der Zeitung «Sonntag» hat sie vor einigen Monaten begonnen, die Kostenentwicklung genau unter die Lupe nehmen. Eine Vergleichsstudie zeigte eklatante Kostenunterschiede: Im teuersten Spital stiegen die ambulanten Spitalkosten im Jahr 2008 um 58 Prozent, beim günstigen gingen die Kosten im gleichen Zeitraum um 1 Prozent zurück. «Bei einigen Spitälern stellten wir fest, dass falsche Tarife verrechnet wurden», sagt Michael Willer, der neue Chef Leistungen bei Helsana. Wird das aufgedeckt, fordert die Kasse den zu viel bezahlten Betrag zurück. Doch nun geht sie einen Schritt weiter: Liegen die Kosten eines Spitals im ambulanten Bereich pro Patient mehr als 30 Prozent über dem Durchschnitt der vergleichbaren Spitäler, muss es seine Mehrausgaben begründen. Helsana beschreitet damit im Spitalbereich Neuland. Im vergangenen Jahr besuchten ihre Mitarbeiter elf besonders auffällige Spitäler. Dabei flog auf, dass einige mit fiktiven medizinischen Berichten und unüblich langen Konsultationen Kasse machten. Andere verrechneten ungerechtfertigt Leistungen in Abwesenheit des Patienten. Nur mit der neuen Vergleichsmethode sei es möglich, solche Machenschaften aufzudecken, sagt Michael Willer. «Das sieht man der einzelnen Rechnung nicht an.» Von den elf Spitälern verlangt Helsana nun die Rückzahlung von insgesamt über 4 Millionen Franken für das Jahr 2008. Das ist gemäss Willer mehr, als man mit der bisherigen Kontrolle einzelner Belege aufdecken konnte.

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