Es wurde viel über Sie geschrieben: «Der agile Kommunikator» oder «Der Anti-Vasella». Welchen Titel würden Sie selbst über Ihr Porträt setzen?

Heinz Karrer: «Der Teamplayer». Das kommt schon daher, dass ich früher leidenschaftlich gerne Handball gespielt habe.

Was reizt Sie am Präsidium eines kriselnden Verbandes?

Die schwierige Aufgabe vermutlich. Für mich steht im Vordergrund, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen etwas für den Wirtschaftsstandort Schweiz machen kann. Denn wir sind in einer privilegierten Situation. Alle beneiden uns um die gute wirtschaftliche Situation, um die Sozialpartnerschaft. Das muss man weiterentwickeln. Denn ich sehe auch die Gefahr, dass wir unsere Trümpfe ohne Not aus der Hand geben könnten.

Was können Sie dem Verband bringen?

Economiesuisse hat sich in der Vergangenheit zu sehr vielen Themen geäussert, wir müssen uns stärker fokussieren. Nehmen wir die bilateralen Beziehungen zur EU. Wir wissen alle, dass der Status quo keine Zukunft hat und müssen uns damit beschäftigen, wie wir die Bilateralen weiterentwickeln. Dieses Thema kann man aber nicht in einem halben Tag diskutieren und dann eine Position festlegen. Ernsthaftigkeit und Tiefgründigkeit in den Dossiers sind zwingend notwendig.

Economiesuisse fehlt es an Dossierfestigkeit?

Die Analyse ist einfach: Man kann sich nicht mit allen Themen in der gleichen Tiefe auseinandersetzen, wenn man sich zu allem und jedem äussert.

Der Schweiz geht es im Vergleich zu vielen Ländern Europas sehr gut. Weshalb hat die Wirtschaft dennoch einen schlechten Ruf?

Eigentlich müssten wir stolz sein, dass das Land derart gut durch die Krise gekommen ist. Doch gewisse Themen tangieren die Befindlichkeit der Bevölkerung stak – dazu gehört die Boni-Diskussion. Aber es ist zu einfach, das Akzeptanzproblem auf die Löhne zu reduzieren. Vielleicht müssen wir besser und regelmässiger mit der Basis kommunizieren, um das Vertrauen zu stärken.

Wie wollen Sie die Abzocker-Debatte führen?

Konfliktthemen kann man nicht ausweichen. Dass über das 70-Millionen-Salär von Vasella diskutiert wird, kann nicht überraschen. Ich glaube, dass es dabei nicht nur um die absolute Höhe eines Lohnes geht. Gravierender ist, wenn der Lohn in keinem Verhältnis zur Leistung steht. Ich bin kein Moralisierer und kann nicht sagen, was ein gerechter Lohn ist. Aber es gibt Grössenordnungen, wo Saläre schwierig zu verstehen sind.

Sie brauchen einen neuen Direktor. Welches Profil muss er haben?

Im Zentrum steht die Persönlichkeit. Wir suchen nicht einen Wirtschaftsexperten, der per Zufall auch noch führen und gut mit Menschen umgehen kann. Idealerweise kennt er die politischen Prozesse, hat einen Wirtschaftsbackground und kann integrativ wirken. Denn Economiesuisse ist ein komplexes Gebilde. Der Direktor muss mit den Branchenverbänden Positionen finden, die nicht im Nachhinein zu Eskalationen führen wie beispielsweise bei der Swissness-Vorlage mit dem Uhrenverband.

Wie stellen Sie sich das Zusammenspiel zwischen Direktor und Präsident in der Öffentlichkeit vor?

Ich fände es falsch, wenn ich die Kommunikation von Economiesuisse monopolisieren würde. Kommunikation ist auch eine Frage der Orchestrierung. Soll nicht auch mal ganz bewusst der Verbandsdirektor zu einem Thema Stellung nehmen und ich später als Deeskalationsstelle wirken?

Sie sind immer noch Axpo-CEO. Wie bringen Sie die beiden Jobs unter einen Hut?

Der Axpo-Verwaltungsrat muss keine Angst haben: Ich mache meinen Job, auch wenn ich auf ein paar Stunden Schlaf verzichten muss. Meine Frau wird nicht zulassen, dass ich die Zeit bei der Familie abschränzen werde.

Böse Zungen sagen, bei Economiesuisse können Sie nur gewinnen, bei der Axpo könnten Sie nur noch verlieren.

Mit diesem Vorwurf muss ich umgehen können. Doch meine Mitarbeiter sehen, dass ich meinen Job bei der Axpo sehr leidenschaftlich mache, auch wenn die Situation schwierig ist.