Eine erste Bilanz zeige, dass die anonyme Beratung es erlaube, auch über Tabus zu sprechen. "Wir erreichen Ratsuchende, die aus Unbehagen oder Angst vor Stigmatisierung eine Face-to-face-Beratung meiden", erklärte der Projektleiter Alwin Bachmann auf Anfrage. Dabei geht es um Suchtprobleme innerhalb der Familie oder einer Partnerschaft, aber auch um Medikamente, Sex- oder Spielsucht.

Die häufigsten Anfragen, die Safe Zone per Mail, im Chat oder im Forum gestellt werden, betreffen Cannabis- und Alkoholprobleme. Angeboten wird etwa eine Eins-zu-Eins-Beratung. Dabei können per Mail oder in einer offenen Sprechstunde im 1:1-Chat mit einer Fachperson Fragen gestellt aber auch Ziele vereinbart werden, deren Erreichung später diskutiert wird.

Im moderierten Gruppenchat werden laut Bachmann vor allem Erfahrungen und Lösungsmöglichkeiten ausgetauscht - etwa unter Betroffenen oder unter Angehörigen. Und im Forum verlaufen die Diskussionen wie in anderen Internetforen auch zeitversetzt.

Umfassendes Angebot

Onlineberatungen und webbasierte Suchthilfen sind nicht neu, oft jedoch lokal, substanz- oder themenspezifisch. Neu an Safe Zone ist das umfassende thematische Angebot, das auch Synergien zwischen bestehenden Anbietern von Online-Suchtberatung und Selbsthilfe nutzt. Zudem macht das Web 2.0 die virtuelle Vernetzung und Überschreitung geographischer und institutioneller Grenzen möglich.

Bachmann zeigte sich nach der halbjährigen Testphase zufrieden mit den Nutzerzahlen: Rund 5000 unterschiedliche User hätten die Website schon besucht - pro Monat kommen etwa 1000 dazu. 200 Personen seien derzeit registriert und rund 100 Mailanfragen beantwortet worden.

Im Hintergrund wirken derzeit 25 Fachpersonen aus 18 regionalen Beratungs- und Suchtstellen. Die Anfragen werden jedoch nicht regional zugeteilt, sondern fachspezifisch und damit kantonsübergreifend an die Person mit dem entsprechenden Wissen.

Safe Zone ist eine Dienstleistung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) in Zusammenarbeit mit den Kantonen, Suchtfachstellen und weiteren Partnern. Seit vergangener Woche ist das Angebot auf italienisch aufgeschaltet. In der Romandie werden noch Partner gesucht, wie Bachmann erklärte.