Schuldenkrise

Hebelung des Euro-Rettungsschirms fällt kleiner aus als geplant

Gespräche am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister

Gespräche am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister

Die Finanzmagie ist gescheitert: Erst wenige Wochen nach dem Beschluss des EU-Gipfels ist klar, dass die Hebelung des Euro-Krisenfonds EFSF kleiner ausfällt als geplant. Die verbliebenen Mittel können nicht mit Hilfe privater Investoren auf die gewünschte eine Billion Euro vermehrt werden.

Dies räumten mehrere Euro-Finanzminister bei einem Treffen am Dienstag in Brüssel ein. Damit wäre der Fonds nicht gewappnet, um im Notfall auch grösseren Ländern wie Italien unter die Arme zu greifen. Rom musste am Mittwoch deutliche höhere Zinsen als bisher für neue Kredite zahlen.

Nun müssen andere Lösungen her: Mehrere Euro-Staaten verlangen ein stärkeres Engagement des Internationalen Währungsfonds (IWF) und einen härteren Sparkurs der Südländer.

Weiter umstritten sind gemeinsame Anleihen der Euro-Länder (Eurobonds), die vor allem Deutschland strikt ablehnt. Einigkeit herrschte aber darüber, dass das pleitebedrohte Griechenland die nächste Finanzspritze von acht Milliarden Euro erhält. Sonst wäre Athen Anfang Dezember bankrott.

Ziel in weiter Ferne

Der niederländische Finanzminister Kees de Jager schlug eine Erhöhung der Ressourcen des IWF durch dessen Mitgliedsländer vor. An der Rettung des Euro müssten "Euro-Staaten, Nicht-Euro-Staaten und nicht-europäische Staaten" beteiligt werden. Der IWF stemmt bislang ein Drittel der Hilfskredite für hochverschuldete Euro-Staaten.

Die Euro-Finanzminister wollten am Abend Leitlinien zum Hebel verabschieden. Diese Art Teilkaskoversicherung soll Schuldscheine kriselnder Länder für private Investoren wieder interessant machen.

Ursprünglich wollten die Retter mit deren Hilfe die verbliebene Restsumme von 250 Milliarden auf das Vier- bis Fünffache aufstocken. Doch dieses Ziel ist nun in weite Ferne gerückt. "Vermutlich werden wir es um das Doppelte oder 2,5-fache erhöhen können", sagte de Jager.

Grund dafür ist, dass potenzielle Geldgeber, vor allem aus Asien, kein Vertrauen haben und sich zurückhalten. Sie wollen erst wissen, welches Land noch Geld aus dem Topf bekommt.

Nächste Finanzspritze für Griechenland

Nach langem Warten bekommt Griechenland die dringend benötigte nächste Finanzspritze von acht Milliarden Euro. Die Euro-Finanzminister gaben die Kredittranche der Euro-Länder frei, sagten EU-Diplomaten in Brüssel.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1