Daniel Imwinkelried

Was viele grosse Männer sich wünschen, ärgert Swatch-Präsident Nicolas Hayek (81): Schon zu seinen Lebzeiten wird über ihn eine Biografie erscheinen. Geschrieben hat sie der Wirtschaftsjournalist Jürg Wegelin (65), der seit 1972 die Uhrenindustrie für verschiedene Medien (u. a. SDA, «Handelszeitung», «Cash») verfolgt. Obwohl der Autor die Branche also so gut kennt wie kaum jemand, kritisiert Hayek, dass das Buch vor Fehlern und Unterstellungen strotze. Wegelin stelle aus Geldmacherei falsche Behauptungen auf, damit er sein Buch besser verkaufe, erklärte er der MZ.

Der Wirtschaftsjournalist kontert: Er sei froh, wenn er mit dem Honorar seine Kosten decken könne, sagt er. Aufwändig waren seine Recherchen: Wegelin führte für sein Buch rund 50 Interviews und er recherchierte zwei Wochen in Hayeks Heimat Libanon. Zudem sprach er mit Ernst Thomke, der mit Hayek eng zusammengearbeitet hatte, bevor sie sich verkrachten.

Die Industrie rationalisiert

Am meisten ärgern dürfte Hayek, dass Wegelin die Frage aufwirft, wer denn die Plastikuhr Swatch erfunden hat. Frühere Aussagen von Hayek erwecken zumindest den Eindruck, dass er sich für den Vater dieses Erfolgsprodukts hält. Der französischen Zeitung «Le Monde» sagte er einmal, er «habe die Swatch geschaffen». Jochem Thieme, ein sehr enger Mitarbeiter von Hayek, stellt es im Buch anders dar: «Die Entwicklung der Swatch geht bis ins Jahr 1978 zurück, also lange bevor wir von der Hayek Engineering unsere Tätigkeit in der Uhrenindustrie begonnen haben.» Als Hayek 1985 mit anderen Investoren die Mehrheit an der SMH (heute Swatch Group) übernahm, hatte die Firma bereits 10 Millionen Swatch-Uhren verkauft. Hayek habe aber mit seinem Engagement den langfristigen Erfolg erst möglich gemacht, betont Wegelin.

Wegelins Urteil scheint also in dieser Frage differenziert. Auch sonst ist es nicht sein Ziel, Hayek vom Sockel zu stossen. Hayek habe die Uhrenindustrie schon Anfang der 80er-Jahre als schlafenden Giganten erkannt, obwohl sie damals dem Untergang geweiht schien. Nachdem er bei SMH die Macht übernommen hatte, rationalisierte er die Produktion und führte modernes Marketing ein. Beides hatten die Manager zuvor sträflich vernachlässigt. Hayek forcierte auch das Luxusuhrengeschäft, etwa mit dem Kauf von Breguet, obwohl ihm viele davon abgeraten hatten.

Daneben nennt Wegelin aber auch die Schwächen von Hayek. So führe er den Konzern «fast wie ein KMU in Familienbesitz». Angetrieben werde er dabei von seinem «ausgeprägten Durst nach Anerkennung». Im Verwaltungsrat der Firma lasse sich Hayek von niemandem etwas sagen, erzählt Wegelin von den Erfahrungen des WEF-Gründers und ehemaligen Verwaltungsrats Klaus Schwab. Zum Bruch kam es auch mit dem Investor Stephan Schmidheiny, der sich laut Wegelin Sorgen gemacht hat, Hayek schiebe die Nachfolgeregelung auf die lange Bank.

Hayeks Zeitmangel

Solche strittigen Punkte konnte Wegelin nicht mit Hayek diskutieren. Der Unternehmer wollte mit ihm aus Zeitmangel nicht über das Buch sprechen. Dabei hatte Hayek Wegelin vor einigen Jahren sogar vorgeschlagen, er solle doch über ihn ein Buch schreiben. «Er meinte es wohl im Scherz, wie ich nachträglich aus seiner Absage schliessen musste», schreibt Wegelin. Ohnehin will Hayek mit Wegelin nicht mehr viel zu tun haben. Sie hätten sich früher für Interviews zwei- bis höchstens dreimal getroffen, meint er zur MZ. Das erstaunt Wegelin. Er hätte in einer gewissen Phase seiner Karriere im Minimum einmal pro Jahr Gelegenheit gehabt, mit Hayek zu sprechen. Dieser habe ihn auch nach Bologna eingeladen, wo er von der Universität den Ehrendoktor erhielt.

Einbürgerungsgesuch abgelehnt?

Ohne Funkstille zwischen Hayek und Wegelin hätte sich zumindest ein grosser Widerspruch ausräumen lassen: Der Autor schreibt, Hayek sei in Schinznach Bad nicht eingebürgert worden. Sein Gesuch sei abgeschmettert worden. Gegenüber der MZ bestreitet Hayek dies vehement.

Jürg Wegelins Buch «Mister Swatch: Nicolas Hayek und das Geheimnis seines Erfolgs» erscheint am 7. September bei Nagel & Kimche.