Diese Woche fiel der Startschuss für die Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung». Dahinter stehen zahlreiche Gesundheitsverbände, welche die Werbung für Zigaretten und Co. aus dem Kinosaal, Zeitungen, Plakaten oder sozialen Medien verbieten wollen. Für die Bürgerlichen ist dies ein Angriff auf den freien Wettbewerb.

Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und Vorsitzender der Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik, unterstützt zwar die Absicht, Minderjährige vor Tabakwerbung zu schützen. «Das ist völlig indiskutabel», sagt er in der Sendung «TalkTäglich».

«Tabak ist ein legales Produkt»

Aber: «Ich finde es auch wichtig, dass man sich ebenso klar zur Wirtschaftsfreiheit in diesem Land bekennt.» Dies sei ein verfassungsmässig garantierter Anspruch. Zudem würde die Tabakindustrie ein Prozent des Bruttoinlandproduktes erwirtschaften und 11‘000 Menschen beschäftigen. Zudem sei Tabak ist ein legales Produkt.

   

Für Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte, sind die Risiken der Zigaretten gross: «Neun von zehn Krebserkrankungen haben mit Tabak zu tun.» Auch fast alle Herzinfarkte stünden in einem Zusammenhang mit Tabak, führt er weiter aus. Was bis jetzt im Tabakproduktegesetz festgehalten worden ist, geht ihm zu wenig weit. «Die Jugendlichen werden weiterhin von der Tabaklobby instrumentalisiert.»

«60 Prozent der 6-Jährigen bringen das Kamel mit der Camel-Werbung in Verbindung»

Dazu nennt er ein Beispiel: Während 90 Prozent der 6-Jährigen das Disneychannel-Logo als solches erkennen würden, seien es immerhin noch 60 Prozent, die das Kamel mit der Camel-Werbung in Verbindung brächten. «Da bleibt also etwas hängen – genau das wollen wir verhindern.»

   

Er ist überzeugt, dass sich ein Verbot der Tabakwerbung lohnt. In den Kantonen Solothurn und Wallis würden zusätzliche sechs bis sieben Prozent der Jugendlichen auf den Glimmstängel verzichten, seit das Werbeverbot in Kraft sei. «Das ist ein Erfolg.»

"Werbung spielt den Jungen etwas vor"

"Werbung spielt den Jungen etwas vor"

Philippe Luchsinger, Präsident von "mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz", nimmt im Interview am 20. März 2018 Stellung zur Initiative, die ein Werbeverbot für Tabakprodukte fordert.