«Lindt – merry christmas». Der geschwungene Schriftzug des Schweizer Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli ging am Montag um die Welt – eigentlich genau das, was sich die Verantwortlichen einer grossen Marke wünschen.

Der Anlass für die weltweite Verbreitung ist allerdings unschön: Ein Geiselnehmer hat sich ausgerechnet in der fürs Geschäft so wichtigen Weihnachtszeit das Lindt-Café im Zentrum Sydneys ausgesucht und Angestellte und Kunden gezwungen, eine schwarze Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis ans Fenster zu halten. Direkt vor das Logo des Schweizer Traditionsunternehmens.

Was bedeutet das nun für den durchwegs mit positiven Konnotationen besetzten Ruf der Marke? Leidet dieser unter der Geiselnahme oder profitiert Lindt & Sprüngli möglicherweise gar von der ungeplanten Publicity? Das Unternehmen selbst wollte sich gestern nicht dazu äussern.

Nur aus Zufall betroffen

Marketingexperten gehen davon aus, dass die Auswirkungen aufs Image des Schokoladenherstellers letztlich verhältnismässig gering sein werden. Entscheidend dafür ist, dass gemäss jetzigem Kenntnisstand aus purem Zufall ins Fadenkreuz terroristischer Aktivität gekommen ist.

«Die Kunden assoziieren die Marke nicht mit dem Negativereignis. Lindt & Sprüngli hat mit der Aktion eigentlich gar nichts zu tun», sagt Peter Fischer vom Institut für Marketing an der Uni St. Gallen. Wichtig sei, dass das Unternehmen nun nicht selbst versuche, Profit aus der Situation zu schlagen – diesen Fehler würden die Marketingverantwortlichen aber «niemals begehen», so Fischer.

Keine Schoggi aus Mitleid

Klar ist: Die Bekanntheit der Schweizer Marke hat mit dem gestrigen Tag zugenommen – nicht nur aufgrund der spektakulären Bilder auf den Onlineportalen. Auch in den sozialen Medien wurde das Ereignis unter dem Stichwort «Lindt-Café» diskutiert.

Ein verbreiteter Markenname kann den Kaufentscheid eines Konsumenten zwar beeinflussen, er reicht allerdings nicht aus. «Eine Marke muss sich auch profilieren. Das heisst, der Kunde muss ein Produkt gut finden», sagt Markenexperte Stefan Vogler. Dieser zweite Aspekt habe sich nicht verändert. Niemand kaufe nun Schokolade aus Mitleid mit der Marke.

Denkbar ist einzig, dass einige Kunden die betroffene Filiale des Lindt-Cafés nun nicht mehr besuchen. Doch auch dies sei nur eine Frage der Zeit, so Marketing-Forscher Fischer: «Spätestens in einem halben Jahr wird der Ort wohl wieder genau gleich wie zuvor frequentiert.»

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