Immobilien

Happige Entwicklung: Auch für Gutverdiener wird das Eigenheim unerschwinglich

Noch bezahlbar? Wohneigentum hat sich massiv verteuert.

Noch bezahlbar? Wohneigentum hat sich massiv verteuert.

Selbst für den oberen Mittelstand in der Schweiz ist Wohneigentum kaum mehr finanzierbar. Wie neue Zahlen des Immobilienberaters Iazi zeigen, gilt das auch für ländlichere Regionen.

Über einen Zeitraum der vergangenen zehn Jahre betrachtet, beschränkte sich der Boom bei den Wohneigentumspreisen vorwiegend auf die grösseren Zentren. Zürich verzeichnete eine Zunahme von 73 Prozent, Lausanne 64 Prozent, in Genf waren es 59 Prozent.

Doch in den letzten fünf Jahren schwappte der Boom von den grossen Schweizer Zentren über in ländlichere Regionen hinein. «Der Zürcher Markt für Wohneigentum hat sich sozusagen auf die Innerschweiz ausgedehnt», sagte Iazi-Chef Donato Scognamiglio. So habe zum Beispiel die Region Luzern in den letzten fünf Jahren mit 21 Prozent eine der höchsten Wachstumsraten verzeichnet, noch vor Genf (5 Prozent), Lausanne (16 Prozent) und selbst Zürich (20 Prozent).

Auch auf dem Land wirds teuer

Dieses Preiswachstum in den Kantonen Aargau, Luzern, Zug, St. Gallen – also rund um den Zürcher Markt herum – hat das Wohneigentum in eine andere finanzielle Sphäre gerückt. «Selbst Gutverdienenden ist der Kauf eines Eigenheims nicht mehr ohne weiteres möglich», sagt Scognamiglio. Konkret hat die Wohnfläche massiv abgenommen, die sich eine Familie mit einem Jahreseinkommen von 120'000 Franken und Eigenmitteln von 150'000 Franken noch leisten kann.

Gemäss Berechnungen des Iazi bekommt eine Familie für dieses Geld in Zürich heute nur noch 58 Quadratmeter Wohnfläche. Das entspricht gerade einmal einer durchschnittlichen 1½-Zimmer-Wohnung. Im Jahr 2000 hingegen hätte die Familie für das gleiche Geld noch 109 Quadratmeter bekommen. Scognamiglio spricht in diesem Zusammenhang gerne von einem «Fluch der späten Geburt». Gemeint sind damit Familien, die sich erst dann auf die Suche nach einem Eigenheim machten, als die Preise bereits stark angestiegen waren.

Wohnraum dezimiert sich

Noch vor kurzem war in einiger Entfernung von Zürich noch günstigerer Wohnraum zu haben. Also wichen viele Familien in diese Regionen aus. Aber in den letzten fünf Jahren nahm auch dort die Wohnfläche massiv ab, die sich die Referenz-Familie mit 120'000 Franken Lohn und 150 000 Franken Eigenmittel leisten kann. In Zug gab es im Jahr 2000 noch 108 Quadratmeter, heute sind es bloss noch 60. In Bern ging es von 125 Quadratmetern runter auf 91 – also 34 Quadratmeter weniger. In Schaffhausen schrumpfte die Anzahl Quadratmeter um 24, in St. Gallen 32 und in Chur 40.

Wer sich damit kein Eigenheim mehr leisten kann, der profitiert als Mieter immerhin von einem entgegengesetzten Trend: Wie die Zahlen des Iazi für eine breite Auswahl von Mietwohnungen zeigen, haben sich die Bestandesmieten schweizweit seit dem Jahr 2012 seitwärts entwickelt. In einigen Kanton fielen sie sogar: in St. Gallen um 5 Prozent, im Aargau um fast 4 Prozent und in Zürich immerhin um 2,5 Prozent.

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