Nach Gesprächen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Dienstag in Peking, der Konflikt werde China im nächsten Jahr im Vergleich zu früheren Schätzungen 0,6 Prozentpunkte Wachstum kosten, während die USA 0,2 Punkte einbüssen dürften. Chinas Wirtschaft wird nach IWF-Vorhersage in diesem Jahr um 6,6 Prozent und im nächsten Jahr nur noch um 6,2 Prozent zulegen.

Auch die Weltwirtschaft werde mit 3,7 Prozent in diesem und im nächsten Jahr "langsamer als erhofft" wachsen. Der Handelskrieg sei der "vorherrschende Unsicherheitsfaktor". Lagarde sowie Weltbankchef Jim Yong Kim, der Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Roberto Azevedo, und der Vorsitzende der Industrieländerorganisation, José Ángel Gurría, hatten sich gemeinsam mit Chinas Premier über die Lage ausgetauscht. Weltbankchef Kim sprach von "Wolken am Horizont".

Kein massives Konjunkturprogramm

Chinas Regierungschef sah weiteren Abwärtsdruck auf die zweitgrösste Volkswirtschaft. "Aber China hat ausreichend Mittel und Werkzeuge, um die Schwierigkeiten anzugehen." Li Keqiang betonte, nicht zu einem massiven Konjunkturprogramm greifen zu wollen. Sein Land werde sich auch nicht allein auf Infrastrukturinvestitionen und Exporte stützen. Vielmehr sollen eine aktive Haushaltspolitik und eine Verringerung von Steuern, Gebühren und behördlichen Prozessen ein besseres Geschäftsumfeld und mehr Kreativität erzeugen.

US-Präsident Donald Trump hat Sonderzölle auf die Hälfte aller Einfuhren aus China erhoben und droht mit einer weiteren Eskalation auf alle Importe, die im vergangenen Jahr rund 500 Milliarden US-Dollar erreichten. Er beklagt unzureichenden Marktzugang in China, unfaire Handelspraktiken und Technologieklau. China hat im Gegenzug zusätzliche Zölle auf Einfuhren aus den USA im Wert von 130 Milliarden verhängt.

Die Verhandlungen zwischen beiden Seiten liegen auf Eis. Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping haben allerdings vergangene Woche telefoniert. Ende des Monats wollen sie sich am Rande des Gipfels der grossen Wirtschaftsmächte (G20) in Buenos Aires treffen.