USA

Halbzeit im Prozess gegen Raoul Weil: Reicht es für einen Freispruch?

Raoul Weil mit Frau Susan.

Raoul Weil mit Frau Susan.

Der ehemaligen Nummer 3 der UBS ist es gelungen, die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen der Anklage in Zweifel zu ziehen.

Die Verteidigung lässt nicht locker. Erneut nahm Anwalt Matthew Menchel in Fort Lauderdale (Florida) Martin Liechti ins Kreuzverhör – den Kronzeugen der Anklage im Prozess gegen Raoul Weil, den ehemaligen Vermögensverwaltungschef der UBS.

Für Liechti war dies bereits der fünfte Tag im Zeugenstand; und während er in den ersten Stunden des aggressiv geführten Kreuzverhörs noch sämtliche Angriffe parierte, wirkte er diese Woche erschöpft.

Weil steht seit Mitte Oktober vor Gericht, nachdem die amerikanischen Ermittlungsbehörden ihn vor ziemlich genau sechs Jahren unter Anklage gestellt hatten. Der Vorwurf lautet: Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Weil sei Teil einer Verschwörung von UBS-Angestellten gewesen, die das Ziel gehabt habe, den US-Fiskus IRS zu prellen, heisst es in der Anklageschrift.

Weil beteuert seine Unschuld. Er befindet sich aber in einer Zwickmühle, gab seine ehemalige Arbeitgeberin doch bereits vor Jahren zu, wohlhabenden Amerikanern bei der Hinterziehung von Steuern geholfen zu haben. Weil stellt sich auf den Standpunkt, er habe von den Machenschaften in der Grossbank nichts gewusst, weil das Nordamerika-Geschäft nur einen kleinen Teil seiner Zuständigkeiten als oberster UBS-Vermögensverwalter ausgemacht habe.

Die Anklage hingegen stellte Weil in den vergangenen zwei Wochen als Mikro-Manager und Aktenfresser dar – ein Vorgesetzter, der stets vorbereitet in Sitzungen gegangen sei. Liechti beschrieb regelmässige Gespräche zwischen ihm und seinem direkten Chef, in denen sämtliche heissen Eisen diskutiert worden seien. Weil habe also sehr wohl gewusst, dass ein Teil des Geschäfts mit wohlhabenden Amerikanern gegen amerikanische Gesetze verstosse.

Nun kommen Entlastungszeugen

Am Freitag und Montag gelang es der Verteidigung allerdings, Liechti aus dem Gleichgewicht zu bringen. In scharfem Tonfall wies Anwalt Menchel den Kronzeugen auf angebliche Widersprüche in seinen Aussagen hin. Liechti, so lautete der Vorwurf des Weil-Verteidigers, sei der eigentliche Drahtzieher gewesen. Liechti wies dies zurück.

Die Anklage gab gestern bekannt, dass sie die Befragung der insgesamt zwölf Belastungszeugen am Donnerstag abschliessen werde. Dann ist die Reihe an der Verteidigung.

Bisher sind die Namen der potenziellen Entlastungszeugen nicht öffentlich bekannt. Offen ist auch, ob Raoul Weil selbst im Zeugenstand Platz nehmen wird. Der Prozess soll, gemäss provisorischem Programm, am Ende der kommenden Woche abgeschlossen werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1