Interview

«Haben Anzahl Zutaten reduziert»: Neue Co-Chefin von Guetzli Hug über Palmöl, Zucker und die Coronakrise

Anna Hug, Co-Chefin des Backwarenherstellers Hug, will den Luzerner Guetzlihersteller nachhaltiger aufstellen. Nicht immer seien verpönte Rohstoffe aber sinnvoll zu ersetzen.

Im Januar haben Sie mit Ihrem Onkel Andreas Hug-Furrer die Co-Leitung des Familienbetriebs übernommen. Wie sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Anna Hug: Nach einem guten Start hat uns Corona in der Produktion natürlich stark beschäftigt. Aber weil wir kein Grosskonzern sind, sondern ein Familienbetrieb, konnten wir relativ schnell reagieren. Zwieback und Dar-Vida waren zu Beginn des Lockdown wegen ihrer Haltbarkeit der Renner. Guetzli verkauften sich ebenfalls sehr gut, was wohl mit dem zurückgehenden Einkaufstourismus zu tun hat. Die Co-Leitung mit meinem Onkel war für mich persönlich ein Gewinn, denn so konnten wir uns gegenseitig stützen. Allerdings war auch der Abstimmungsbedarf höher.

Anna Hug, Co-Geschäftsleiterin der Hug AG, im Warenlager in Malters.

Anna Hug, Co-Geschäftsleiterin der Hug AG, im Warenlager in Malters.

Hatten Sie Mühe, gewisse Rohstoffe aus dem Ausland zu importieren?

Überhaupt nicht, denn wir beziehen wenn immer möglich nur Schweizer Vorprodukte. Was wir im Ausland einkaufen, etwa Verpackungsmaterial, war gut verfügbar. Herausfordernd war aber, die Produktion am Laufen zu halten. So mussten wir etwa in gewissen Abteilungen Trennvorhänge installieren oder eine Maskenpflicht einführen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden konnte.

Mussten Sie Kurzarbeit einführen?

Ja, aber nur für den ansonsten stark wachsenden Bereich Food Service, also im Geschäft mit Halbfabrikaten wie Tortenböden oder Pastetli für die Gastronomie. Hier spüren wir die Zurückhaltung bei der Durchführung von Grossanlässen oder der Betriebsverpflegung. Entsprechend werden wir dieses Jahr unter dem Strich gruppenweit etwa elf Millionen Franken weniger Umsatz machen.

Auch Hug führt einmal im Jahr einen lokalen Grossanlass durch, den «Chnusperhäuschen»-Event, der Tausende nach Malters lockt. Werden auch dieses Jahr Lebkuchen-Kreationen geschaffen?

Leider nein. Wir müssen den Anlass absagen. Gerade auch deshalb, weil normalerweise viele Grosseltern – die zur Corona-Risikogruppe gehören – daran teilnehmen. Mit Maskenpflicht und Mindestabstand ist es einfach nicht vorstellbar, dass 10'000 bis 20'000 Personen in einem Raum Lebkuchenhäuschen verzieren. Auch können wir nicht 7000 Häuschen vorfabrizieren und dann riskieren, dass ein grosser Teil davon entsorgt werden muss, weil kaum jemand kommt. Den Betrag, der den üblichen Einnahmen des Anlasses entspricht, werden wir trotzdem der Pro Juventute spenden.

Planen Sie einen Ersatz?

Wir haben einen Bastelbogen entworfen, damit Kinder sich zu Hause ein «Chnusperhäuschen» basteln können und ein eigens geschriebenes Märchen von Jolanda Steiner hören können. Weitere Informationen dazu werden wir Anfang Oktober auf unserer Website bekannt geben.

Am Anlass hätten Sie auch den neuen Hug-Markenauftritt vorgeführt. Wozu muss sich ein Guetzlihersteller überhaupt neu erfinden?

Im Kern bleibt die Guetzlitradition immer gleich, das stimmt. Aber es gibt viele Aspekte, die wir erneuern, allen voran bei der Nachhaltigkeit. Wir haben alle Rezepturen angeschaut und die Anzahl Zutaten reduziert. So setzen wir das Feuchthaltemittel Sorbit nur noch dort ein, wo es wirklich nicht anders geht, etwa bei Lebkuchen. Ausserdem haben wir komplett auf Freilandeier umgestellt und wir haben Palmöl aus den Guetzli entfernt. Auf Konservierungsstoffe verzichten wir schon länger.

Zur Person

Anna Hug (47) repräsentiert die fünfte Generation der Familie Hug. Sie war bis Ende des vergangenen Jahres Leiterin Entwicklung und Innovation. Seit Anfang 2020 hat sie mit ihrem Onkel Andreas Hug-Furrer die operative Führung inne.

Anna Hug (47) repräsentiert die fünfte Generation der Familie Hug. Sie war bis Ende des vergangenen Jahres Leiterin Entwicklung und Innovation. Seit Anfang 2020 hat sie mit ihrem Onkel Andreas Hug-Furrer die operative Führung inne.

Im Januar sagte Co-Chef Andreas Hug, Palmöl sei nicht gänzlich ersetzbar, weil der Rohstoff etwa bei Füllungen unschlagbare Fähigkeiten habe.

Das stimmt. Wir verzichten zwar bei den Hug-Guetzli auf Palmöl, aber bei den Biscuits-Füllungen wie zum Beispiel bei Wernli haben wir immer noch keinen adäquaten Ersatz gefunden, der uns restlos überzeugt. Hier arbeiten wir noch daran. Ebenso sind wir überzeugt, dass der Einsatz von echt nachhaltig produziertem Palmöl durchaus sinnvoll ist.

Und was ist mit dem Zuckergehalt?

Bei Rezepturüberarbeitungen oder bei Neuentwicklungen schauen wir uns den Zuckergehalt genau an. Doch Biscuits sind ein Genussmittel, und jeder, der Biscuits konsumiert, weiss, dass es Zucker drin hat. Wir wollen den Genuss nicht mindern, zum Beispiel bei einem frischen Magenbrot – da braucht es einfach genügend Zucker. Bei gewissen Biscuits bieten wir auch zuckerreduzierte Varianten zur Auswahl.

Anna Hug probiert in der Produktion das Magenbrot.

Anna Hug probiert in der Produktion das Magenbrot.

Sie könnten aber auf Plastik für die Verpackungen verzichten.

Das CO2, das bei unseren Herstellern für die Produktion von Verpackungen anfällt, kompensieren wir neu vollumfänglich mit einem Klimaprojekt in der Napfregion. Das ist aber nur ein Zwischenschritt. Künftig wollen wir tatsächlich vermehrt auf Plastik verzichten oder nur noch recycelten Kunststoff einsetzen. Aber auch hier können wir nicht einfach Papier statt Plastik nehmen, sonst leidet die Haltbarkeit. Technologisch sind die Verpackungshersteller leider noch nicht so weit.

Sie bauen derzeit den Hauptsitz in Malters aus. Die Bau- und Anlageinvestitionen belaufen sich bis zum Jahr 2023 auf rund 80 Millionen Franken. Herzstück ist das neue Backhaus, das alleine 60 Millionen Franken kostet. Ist nach wie vor geplant, Ende dieses Jahres das Backhaus in Betrieb zu nehmen?

Ja, wir sind trotz Corona im Zeit- und Kostenplan. Ende dieses Jahres beginnen wir, die Wernli-Produktion aus dem solothurnischen Trimbach bei uns im neuen Backhaus zu integrieren. Die Angestellten in Trimbach haben von uns Jobangebote erhalten und erfreulicherweise haben fast alle einen Vertrag unterschrieben.

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