Herr Zumbrunnen, vergangenes Wochenende erhielt die Migros mit Ursula Nold eine neue Präsidentin. Laut Medienberichten führten Sie aber auch Gespräche mit Alt-Bundesrätin Doris Leuthard, die nun in den Coop-Verwaltungsrat geht. Was ist da dran?

Fabrice Zumbrunnen: Ich möchte Klartext sprechen. Ich habe Frau Leuthard getroffen und wir haben viele Themen besprochen. Aber ich habe absolut keinen Einfluss auf den Wahlprozess genommen. Es liegt nicht in meiner Verantwortung, das zu tun. In den Medien wurde viel fantasiert.

Das Präsidium war bei Ihrem Gespräch mit ihr kein Thema?

Nein, wir haben nicht über das Präsidium gesprochen. Aber ich kann nicht ausschliessen, dass sie anderweitig seitens der Migros kontaktiert wurde. Frau Leuthard ist auf der Wunschliste von vielen Unternehmen, das ist ja logisch. Auch aus Gründen der guten Geschäftsführung, der «Good Governance», habe ich mich der Einflussnahme enthalten. Es kann nicht sein, dass ich als Migros-Chef Einfluss nehme.

Sie sind auch Mitglied der Migros-Verwaltung, die sich im Vorfeld der Wahl für die Ex-SBB-Managerin Jeannine Pilloud als neue Präsidentin ausgesprochen hatte, nicht für Frau Nold. Wem galt Ihre Stimme?

Wie gesagt, ich habe mich neutral verhalten. Ich kann nur sagen, dass ich mich auf die Zusammenarbeit mit Frau Nold freue. Wir kennen uns sehr gut und ich bin sicher, dass wir gemeinsam einen guten Job machen werden.

Frau Nold sagte nach ihrer Wahl, die Migros müsse agiler und dynamischer werden, um dem Strukturwandel im Detailhandel zu begegnen. Die Jahreszahlen zeigen, dass vor allem die Westschweizer und Tessiner Genossenschaften leiden. Ist eine Fusion einzelner Genossenschaften für Sie weiterhin tabu?

Mir ist etwas sehr wichtig: Wir sind ein Verband von Genossenschaften, so wie es sich Gottlieb Duttweiler für die Migros gewünscht hat. Gleichzeitig ist die Realität heute eine andere, sie hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Wir dürfen nicht stillstehen, wir wollen uns verändern und neue Lösungsansätze definieren. Ich bin aber überzeugt, dass unsere Strukturen grosse Vorteile mit sich bringen, wie zum Beispiel bei Produkten wie «Aus der Region – für die Region». Diese Kundennähe ist zentral und wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Aber?

Wenn wir von Digitalisierungsprozessen sprechen, kann dies nur zentral geregelt werden, das ist klar. Da versuchen wir Hand in Hand zusammenzuarbeiten. Ich schliesse dennoch nicht aus, dass einzelne Genossenschaften Projekte im Markt ausprobieren, von denen dann die anderen – im Erfolgsfall – ebenfalls profitieren können. Diese enge Zusammenarbeit, auch zwischen den anderen Geschäftseinheiten wie Logistik, Informatik oder Industrie, wollen wir noch verstärken.

Eine Fusion auf weniger als zehn Genossenschaften, so wie sie heute existieren, ist also kein Thema.

Nein, das ist kein Thema. Das Ziel muss sein, dass wir ein Verband von Genossenschaften und auch erfolgreich bleiben.

Der Bereich Handel litt in den vergangenen Jahren besonders stark. Auch dieses Jahr waren die Zahlen des Warenhauses Globus oder des Buch- und Musikhändlers Exlibris deutlich im Minus. Welche Geschäfte schreiben schwarze Zahlen?

Wir haben einige Geschäfte, die sehr erfolgreich unterwegs sind und schwarze Zahlen schreiben, wie zum Beispiel Denner, Migrolino oder Migrol. Das Portfolio ist sehr breit und somit sind auch die Herausforderungen ganz unterschiedlich.

Ihr Online-Warenhaus Digitec-Galaxus kratzt an der Milliarden-Umsatz-Grenze und hat nach Deutschland expandiert. Doch dem Vernehmen nach sind die Zahlen rot. Wann schreibt die Firma Gewinn?

Digitec-Galaxus hat vor zwei Jahren bereits einmal schwarze Zahlen geschrieben. Aber nun haben wir konsequent viel Geld in den Ausbau investiert. Wir haben die Anzahl Artikel auf 2,6 Millionen verdreifacht. Das kostet Geld. Wir wissen jedoch, dass das Geschäftsmodell erfolgreich ist und dies auch in Zukunft sein kann. Nun sind wir in einer Wachstumsphase und nehmen bewusst in Kauf, dass in den nächsten drei, vier Jahren kein grosser Gewinn rausschaut.