106 Tage war er weggesperrt. Am Mittwoch wurde Pierin Vincenz nun aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Ex-Raiffeisen-Chef inszenierte seine Freilassung im «Blick». Zudem verschickte er eine Medienmitteilung. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet Vincenz nach wie vor. «Die Eröffnung des Strafverfahrens kam für mich völlig überraschend», schreibt er. Er werde sich mit «allen Mitteln» dagegen wehren. Damit geht er auf Konfrontationskurs zur Zürcher Staatsanwaltschaft.

Neben Vincenz wurde auch sein ehemaliger Geschäftspartner Beat Stocker freigelassen. Die aufwendige Untersuchung sei dank intensiver Ermittlungen bereits weit fortgeschritten, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Deshalb hätten die Beschuldigten unter Auflage diverser Ersatzmassnahmen entlassen werden können. «Die Ermittlungen gegen sämtliche Beschuldigten sind nach wie vor im Gange», betonte die Staatsanwaltschaft.

Vincenz ist für hundert Übernahmen in seiner Zeit als Chef der Raiffeisen und Präsident der Kreditkarten-Abrechnungsfirma Aduno verantwortlich. Mit drei Übernahmen – Investnet, Comtrain und Eurokaution – ist die Zürcher Staatsanwaltschaft beschäftigt, um die übrigen dreht sich eine interne Untersuchung von Raiffeisen. Der Vorwurf: Vincenz und Stocker hätten sich privat bereichert.

Vincenz soll sich nun mit seiner Partnerin an einen geheimen Ort zurückgezogen haben, wo er sich von den Strapazen der letzten Wochen erholen will. Die Haftbedingungen haben an seinen Kräften gezehrt. «Was ich in den letzten Wochen erlebt habe, wünsche ich niemandem», schreibt Vincenz. Die Untersuchungshaft sei aus seiner Sicht unnötig und die Länge «völlig unverhältnismässig» gewesen.

Dass er laut Medienberichten täglich 23 Stunden eingesperrt und nur eine Stunde Freigang pro Tag gehabt haben soll, ist jedoch falsch. «Pierin Vincenz konnte die Zelle täglich für mindestens 5 Stunden zur Ausübung einer Tätigkeit verlassen», sagt eine Sprecherin des Zürcher Amts für Justizvollzug. Ausserdem habe es für Vincenz Gruppenvollzug gegeben. Die Zellentüren waren vom Morgenessen bis zum Abendessen offen.

Vincenz wusste sehr genau, was in der Aussenwelt vor sich ging. In der Zürcher Haftanstalt konnte er für einen Franken pro Tag ein Fernsehgerät mieten. Zudem können Häftlinge laut de Silva in Untersuchungshaft im Kanton Zürich sämtliche Printmedien kaufen, sofern sie am Kiosk erhältlich sind. Einzig der Zugang zum Internet – und damit auch zu Online-Medien – ist ihnen verwehrt.