Gesundheitswesen
Groupe Mutuel meldet erfolgreiches Geschäftsjahr – dabei läuft das Kerngeschäft miserabel

Das Minus in der obligatorischen Krankenversicherung beim Walliser Krankenkassenkonglomerat Groupe Mutuel betrug im vergangenen Geschäftsjahr 87,2 Millionen Franken. Bereits im Vorjahr hatte ein Minus resultiert – ein noch gewaltigeres.

Roman Seiler
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Der Hauptsitz der Groupe Mutuel in Martigny: Der Krankenversicherer hat kein brillantes Jahr hinter sich.

Der Hauptsitz der Groupe Mutuel in Martigny: Der Krankenversicherer hat kein brillantes Jahr hinter sich.

KEYSTONE

Gemäss Medienmitteilung ist das Resultat des letzten Geschäftsjahrs «erfreulich»: «Die Groupe Mutuel wächst und ist gut aufgestellt.» So freuen sich die Chefs des Krankenkassenkonglomerats unter anderem darüber, dass das Prämienvolumen im Unternehmensgeschäft in diesem Jahr «die 400-Millionen-Grenze» knacken werde.

Mit solchen Erfolgsmeldungen lenken die Walliser davon ab, dass es ihnen im Kerngeschäft nach wie vor überhaupt nicht läuft. 2015 wies die Groupe Mutuel (GM) in der Grundversicherung einen gewaltigen Verlust von 184,9 Millionen Franken aus, weil der Kostenanstieg bei der Prämiengestaltung unterschätzt wurde.

Ein Jahr später fällt das Resultat zwar besser aus. Doch das Minus beläuft sich noch immer auf 87,2 Millionen Franken. Das zeigt: Die Prämienerhöhung auf Anfang 2016 liess zwar das Volumen um 0,32 auf 4,5 Milliarden Franken ansteigen. Doch dies reichte bei weitem nicht aus, um ein ausgeglichenes Resultat zu erzielen.

Eigenkapitaldecke ist äusserst dünn

Die Verluste schlagen voll auf das Eigenkapital durch. Diese Reserven der sechs GM-Grundversicherer unterschritten das gesetzliche Minimum Ende 2015 kumuliert um rund 135 Millionen Franken. Die Mindest-Solvenzquoten waren daher bei der Avenir, der Easy Sana, der Mutuel und der Philos anfangs 2016 massiv zu tief. Darin berücksichtigt ist laut Pressesprecher Christian Feldhausen "grosso modo" der wegen des Verlusts im letzten Jahr erfolgte, weitere Abbau des Eigenkapitals von 97 Millionen Franken. Wer zu tiefe Reserven hat, muss die Prämien überdurchschnittlich anheben, um die Minimalvorschriften erfüllen zu können.

Für dieses Geschäftsjahr rechnet Groupe-Mutuel-Chef Paul Rabaglia mit einem Gewinn in der Grundversicherung. Trifft dies ein, erhöhen sich die Reserven wieder. Daher müsse laut Feldhausen bei der Kalkulation der Prämien für 2018 kein oder ein vergleichsweise kleiner Zuschlag für einen allfälligen Reservenaufbau berücksichtigt werden. Wer die Prämien überdurchschnittlich erhöhen muss, verliert Grundversicherte. Bei der Groupe Mutuel sank die Zahl der Kunden um 22 000 auf 1,236 Millionen. Mehr Grundversicherte hat nur die CSS Gruppe.

Zusatzversicherungen funktionieren besser

Besser lief das Geschäft mit der privaten Zusatzversicherung: Der Gewinn erhöhte sich um 41 Prozent auf 73,2 Millionen. Weil auch das Geschäft mit der Unfallversicherung und anderen Dienstleistungen schwarze Zahlen schrieb, resultierte im Bereich Gesundheit der Groupe Mutuel ein Verlust von 1,3 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es 127 Millionen gewesen. Dank des besseren Resultats verdient Groupe-Mutuel-Chef Rabaglia mehr: Er erhielt 2016 eine um 7,6 Prozent höhere Vergütung von 520 123 Franken - Sozialleistungen und Nebenleistungen wie Spesen inklusive. Vorstandspräsidentin Karin Perraudin bezog 220 000 Franken.

Weiter voran geht der Umbau des Unternehmens: Auf das kommende Jahr ist geplant, eine Holdingstruktur einzuführen. Heute ist es so, dass der Verein Groupe Mutuel die Geschäfte der selbständigen sechs Grund- und zwei Zusatzversicherer sowie weiterer Firmen führt.

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