Krankenkassen

Grosse Krankenkassen legen auf Kosten der kleinen zu

Grosse Kassen legen zu, kleinere habens schwer

Grosse Kassen legen zu, kleinere habens schwer

Die grossen Krankenversicherer ziehen Zehntausende von neuen Kunden an. Die Wechselbereitschaft hält sich in engen Grenzen. Kleinere Kassen haben zu kämpfen.

Weil die Standardprämien in der Grundversicherung im Schnitt auf Anfang 2013 nur um 1,5 Prozent angestiegen sind, hielt sich die Wechselbereitschaft der Krankenversicherten in engen Grenzen. 

«Der Markt war generell weniger dynamisch als auch schon», sagt Swica-Generalsekretär Daniel Neuhaus. Die Swica konnte über 5000 neue Grundversicherte anziehen. Das könne auch damit zu tun haben, sagt Neuhaus, dass die Prämien der Zusatzversicherungen momentan stabil seien.

Neukunden gewinnen - wenn auch weniger als auch schon - konnten die Branchenleader. Dies ergab eine Umfrage der «Nordwestschweiz» unter den 13 grössten Krankenversicherern. Nur von der Sanitas und der EGK sind noch keine Angaben erhältlich, ob sie zulegen konnten oder Versicherte verloren haben.

Die Gewinner
• Assura: Bei der Grundversicherung zählt das Waadtländer Unternehmen neu 690 000 Kunden. Ein Plus von rund 47 000, sagt der stellvertretende Generaldirektor, Jean-Bernard Pillonel.

• Auch die drei Branchenleader CSS, Groupe Mutuel und Helsana - alle mit mehr als einer Million Grundversicherten - weisen mehr Neukunden aus (siehe Tabelle rechts). Die CSS dürfte schätzungsweise um 25 000 bis 30 000 Grundversicherte wachsen. Helsana-Sprecher Rob Hartmans sagt, 2012 sei «erneut ein starker Jahrgang»: «Das Versicherungsgeschäft verlief in sämtlichen Sparten profitabel.»

• Die Berner Konzerne Visana und KPT legen um über 20 000 respektive 19 000 Versicherte zu. Zudem übernahmen beide kleinere Konkurrenten: Zur Visana-Tochter Vivacare stiessen Anfang Jahr mehr als 34 000 von 38 000 Grundversicherten der Innova. Und die KPT betreut neu die 3300 Kunden der Publisana.

Zu den Verlierern zählt Sympany. Der Basler Konzern hat gemäss Sprecherin Anne Tschudin gegen 5000 Kunden eingebüsst. Anfang 2012 zählte Sympany rund 170 000 Grundversicherte.

Das zeigt: Die grossen Konzerne dürften ihre Zuwächse zulasten der mittleren und kleinen Kassen gemacht haben. Felix Schneuwly vom Internetvergleichsdienst comparis.ch, sagt: «Steigen die Prämien weniger stark an, wie dies auf 2013 der Fall ist, legen in der Regel die Kassenkonzerne zu, welche den Markt aktiv bearbeiten.» Sie schicken dann ihre eigenen Aussendienstmitarbeiter oder externe Vermittler auf die Piste.

Die Vermittler leben von den Provisionen, die ihnen die Konzerne für jeden Neukunden zahlen. Diese Provisionen beschränken sich in der Grundversicherung auf 50 Franken. Für den Abschluss von Zusatzversicherungen gibt es rasch ein paar Hunderternoten. Das ist ein lohnender Anreiz, um möglichst viele Versicherte zu einem Kassenwechsel zu überreden.

Dieser geballten Marktbearbeitungskraft der grossen Kassen haben die kleineren wenig entgegenzusetzen. Das hat zur Folge, dass sie Kunden verlieren. Das wiederum heizt den Konsolidierungsprozess der Branche weiter an. Boten 2001 noch gegen 100 Unternehmen die obligatorische Krankenversicherung an, sind es seit Anfang 2013 noch 61.

Kleine Kassen sind überfordert

Das Kassensterben dürfte weitergehen: Einerseits sind die grossen Firmen mit mehreren Versicherern nach wie vor auf der Suche nach neuen Übernahme- oder Fusionsmöglichkeiten. Andererseits führen neue, komplexere Abrechnungssysteme wie die neuen Spitalpauschalen und Buchhaltungsvorschriften zu höheren Kosten. Das überfordert bald einmal die eine oder andere kleine Krankenkasse.

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