Nahrungsmittel

Grösster Schokoladenhersteller der Welt fordert mehr Gen-Food

Kakaobauer in der Elfenbeinküste: Mit einer besseren Ausbildung wäre eine Produktivitätssteigerung möglich. Keystone

Kakaobauer in der Elfenbeinküste: Mit einer besseren Ausbildung wäre eine Produktivitätssteigerung möglich. Keystone

Jürgen Steinemann, der Chef von Barry Callebaut, sieht keine Alternative zu genetisch veränderten Landwirtschaftsprodukten – er stösst damit eine Debatte an, die bis 2018 vertagt schien.

Es ist eine Aussage, mit der sich Jürgen Steinemann in der Schweiz nicht viele Freunde macht: Der Chef von Barry Callebaut, dem grössten Schokoladenhersteller der Welt, sagte gestern an der Jahresmedienkonferenz in Zürich, dass Europa langfristig nicht darum herumkommen werde, genetisch veränderte Landwirtschaftsprodukte zu akzeptieren. Seine Begründung: «Angesichts der stetig steigenden Weltbevölkerung müssen wir den Ernteertrag pro Quadratmeter deutlich steigern. Sonst ist es unmöglich, alle Menschen ernähren zu können.»

In einigen Agrarbereichen – darunter dem Kakaoanbau – ist gemäss Steinemann zwar auch durch eine bessere Ausbildung der Bauern eine Produktivitätssteigerung möglich. Bei anderen Rohstoffen wie Soja oder Korn sei das Potenzial aber praktisch ausgeschöpft. Dort sieht der 56-jährige Deutsche keine Alternative zur Gentechnik.

Genetisch veränderte Landwirtschaftsprodukte als Heilmittel? Mit dieser Forderung dürfte Steinemann in Europa bei vielen auf taube Ohren stossen. So ist Gen-Food einer der strittigen Punkte in den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. Denn während genmanipulierte Lebensmittel in Amerika zum Standard gehören, wehren sich einige europäische Länder mit Händen und Füssen dagegen.

Bundesrat auf Steinemanns Linie

Hierzulande sieht es nicht anders aus: Die Schweizer mögen ihre Tomaten, ihre Gurken und ihren Mais am liebsten aus der Region, für die Region – und wenns geht Bio. Pflanzenschutzmittel werden von den meisten als nötiges Übel toleriert. Von genetisch veränderten Pflanzen will die Mehrheit aber nichts wissen: 2005 stimmte das Stimmvolk dem Gentech-Moratorium zu. Und in einer Umfrage des Nationalen Forschungsprogramms im Jahr 2009 gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel essen würden. Die öffentliche Meinung widerspiegelt sich auch im Parlament: 2012 hat die Politik das Gentech-Moratorium bis Ende 2017 verlängert.

Was dann geschieht, ist noch offen. Es zeichnet sich aber ein heftiger Schlagabtausch ab: Denn Barry-Callebaut-CEO Steinemann hat einen prominenten Unterstützer: den Bundesrat. Dieser empfiehlt eine Motion des Waadtländer SVP-Nationalrats Jean-Pierre Grin, welche das Gentech-Moratorium unbefristet verlängern will, zur Ablehnung. Begründung: Eine weitere Verlängerung des Moratoriums wäre nicht verfassungskonform und hätte «Konsequenzen für die Handelspolitik».

Weiter weist der Bundesrat in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms über Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen (NFP 59) aufzeigen würden, dass die mittels Gentechnik gewonnenen Pflanzen nicht gefährlicher seien als Pflanzen aus traditionellem Anbau. «Darüber hinaus belegt das NFP 59, dass eine Koexistenz zwischen gentechnisch veränderten und herkömmlichen Pflanzen in der Schweiz möglich ist», so die Regierung.

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