Die Lohnstrukturerhebung wird vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht, es ist die umfassendste Erhebung zu den Löhnen. Am Freitag wurden neue Zahlen herausgegeben, die die Löhne für einzelne Berufe zeigen, nach Lebensalter und nach Geschlecht – und dies wiederum aufgeteilt auf einzelne Wirtschaftsregionen. Es ist eine repräsentative Erhebung, die auf Angaben von gut 37'000 Unternehmen beruht und total 1,7 Millionen Arbeitsplätze erfasst, also etwa jeden dritten Beschäftigten.

Zur Verteilung der Löhne hat diese Woche der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) einen "Verteilungsbericht" veröffentlicht. Demnach seien in der Schweiz die tiefsten Löhne seit der Jahrhundertwende deutlich gestiegen, anders als in vielen anderen Ländern in Europa. Auch insgesamt hätten sich die Löhne erhöht, trotz Finanzkrise und Frankenüberbewertung.

Das sind aus SGB-Sicht die erfreulichen Nachrichten. Kritische beurteilt die Gewerkschaft hingegen, dass die hohen und höchsten Löhne überproportional gestiegen seien. Es gebe heute in der Schweiz rund 14'000 Personen mit einem Lohn von über einer halben Million Franken. Mitte der 1990er Jahre seien es noch 3000 Personen gewesen.

Die Aussichten auf Lohnsteigerungen im nächsten Jahr sind für die meisten Schweizer Arbeitnehmer nur verhalten, trotz der sehr guten Konjunktur. An guten Kennzahlen fehlt es derzeit nicht. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaft ein Wachstum von real 3,4 Prozent zum Vorjahr hin, im ersten Quartal 2,9 Prozent. In der Schweiz herrscht Hochkonjunktur. Die Schweiz wächst damit erneut stärker als der Euroraum. Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat die Prognose für 2018 von 2,4 auf 2,9 Prozent er höht.

Es bleibt weniger vom Lohn

Doch die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) rechnet für 2019 bloss mit einem nominalen Lohnplus von gut einem Prozent. Der Berater Lohntendenzen.ch erwartet 0,9 Prozent und stützt sich dabei auf eine Umfrage unter Unternehmen. Davon bliebe bei einer erwarteten Teuerung von 0,6 Prozent nur wenig übrig. Zieht die Teuerung etwas stärker an als erwartet, ist der Lohnzuwachs weg. Nach der alljährlichen Steigerung der Krankenkassenprämien, die in der Teuerung nicht enthalten ist, bleibt vom Lohn noch weniger im Geldbeutel.

Die Lohnstrukturerhebung zeigt auch, dass bei den dienstälteren Mitarbeitern die mittleren Löhne in den letzten Jahren zurückblieben hinter den Zunahmen bei den jüngeren Mitarbeitern. Von 2010 bis 2016 legten die Löhne der älteren Mitarbeiter nur um 3,1 Prozent zu. Bei den dienstjüngeren gab es eine mehr als doppelt so hohe Steigerung, ein Plus von 7,1 Prozent.

Diese unterschiedliche Fortüne erklärt sich der Gewerkschaftsbund mit einer verfehlten Lohnpolitik. «Oft ist die Haltung der Arbeitgeber die, dass man bei den Jungen am Ball bleiben muss, die Alten hingegen sowieso bleiben», sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart. In Zeiten, in denen das Geld für Investitionen knapp sei, investiere man in junge Neueingestellte und halte die Dienstälteren eher kurz.

Beim Arbeitgeberverband wird diese Entwicklung naturgemäss anders beurteilt. So sagt Simon Wey, Arbeitsmarktspezialist beim Arbeitgeberverband: «Die stärkere Erhöhung der Löhne von Personen mit weniger Dienstjahren lässt sich unter anderem durch das bereits hohe Lohnniveau von Mitarbeitenden mit 20 Dienstjahren und mehr erklären.» Mit anderen Worten haben diese langjährigen Mitarbeiter zumeist bereits einen hohen Lohn, also liegen naturgemäss auch weniger Lohnerhöhungen drin. Zumal die Löhne auch ins Lohngefüge eines Unternehmens passen müssten.