In einer Zeit, in der praktisch jede Region der Schweiz ein Anti-Fluglärm-Komitee hat, erscheint das Sprichwort «Alles Gute kommt von oben» wie blanker Hohn. Doch nun zeichnet sich am Himmel eine Entwicklung ab, die sowohl im Norden, Süden, Osten und Westen des Flughafens Zürich Balsam für die Ohren sein dürfte: Die Anzahl Starts und Landungen von Flugzeugen hat in den letzten zwei Jahren deutlich abgenommen.

2011 verzeichnete Zürich mit 279 000 Flugbewegungen ein 10-Jahre-Hoch. 2013 waren es noch 262 200 Starts und Landungen – ein Rückgang um 16 800. Das bedeutet, dass es pro Tag im Schnitt 46 Flugbewegungen weniger gegeben hat. Das Erstaunliche daran ist, dass die Anzahl Passagiere im gleichen Zeitraum weiter zugenommen hat. Am Euro-Airport in Basel geht die Entwicklung in dieselbe Richtung: Die Anzahl Passagiere nahm 2013 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zu, die Anzahl Flugbewegungen blieb dagegen stabil.

Die Verantwortlichen des Flughafens Zürich gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird: Die Anzahl Flugbewegungen soll im Jahr 2014 wiederum «leicht rückläufig» sein, während man ein moderates Passagierwachstum erwartet. «Der Grund für diese Entwicklung ist, dass die Airlines auf immer grössere Flugzeuge setzen – und ihre Maschinen immer besser auslasten», sagte Thomas E. Kern, CEO des Flughafens Zürich, gestern an der Jahresmedienkonferenz.

Die genannten Punkte zeigen sich exemplarisch bei der Swiss. Die Lufthansa-Tochter hat in den letzten zehn Jahren die Auslastung der Flugzeuge um fast neun Prozent erhöht. Waren 2004 im Schnitt 74,9 Prozent aller Sitze belegt, waren es 2013 83,7 Prozent. Und auch dass die Flugzeuge grösser geworden sind, lässt sich eindrücklich belegen: 2013 führte die Swiss 1,9 Prozent mehr Flüge durch als vor zehn Jahren, gleichzeitig wurden aber 74 Prozent (!) mehr Passagiere transportiert. Die sechs Boeing 777, die ab 2016 in die Swiss-Flotte eingebaut werden sollen, werden dank ihrer Grösse helfen, diese Entwicklung fortzusetzen.

Andreas Wittmer vom Center for Aviation Competence der Universität St. Gallen nennt neben der Effizienz noch einen weiteren Grund, wieso es Sinn macht, mit möglichst grossen Flugzeugen möglichst wenige Flugbewegungen durchzuführen: «Die Airlines können dadurch Kosten in der ganzen Operation einsparen und die Kosten auf mehr Passagiere verteilen.»

Allen Tendenzen zum Trotz: Vorhersagen über die Entwicklung des Luftverkehrs gleichen einem Blick in die Kristallkugel. Das beweist eine 2005 erschienene Studie des Bundesamts für Zivilluftfahrt: In dieser wurde prognostiziert, dass sich die Anzahl Flugbewegungen in Zürich bis 2010 auf 298 600 erhöhen werde – nun liegen die Zahlen für 2013 vor und es waren gerade mal 262 200 Bewegungen.