Medikamente

Grippemittel Tamiflu: Wenig Wirkung - hohes Risiko

Apothekerin holt Tamiflu-Packung aus der Schublade (Archiv)

Apothekerin holt Tamiflu-Packung aus der Schublade (Archiv)

Wie wurde das Medikament während der Vogel- und Schweinegrippen nicht hochgelobt und als Wunderheilmittel angepriesen. Nun stellt sich heraus, dass die Wirkung von Tamiflu in bescheidenem Masse grösser ist als ein Placebo.

Seit 1999 ist das Grippemedikament auf dem Markt. Doch von Beginn weg bestanden Zweifel an der Wirksamkeit des Medikamentes. Gemäss einer Analyse zahlreicher Studien, die heute im Fachblatt «British Medical Journal» veröffentlich wird, soll das Medikament das Grippeleiden um nur gerade einen halben Tag verringern.

Haben die Staaten und Unternehmen während den Grippepandemien umsonst Medikamente gehortet? Für den Hersteller Roche ist dieses Medikament mangels Alternative noch immer ein Kassenschlager. Rund 13,5 Millionen Franken soll der Pharma-Riese durch Tamiflu bis heute eingenommen haben.

Profiteure der grossen Grippewellen

Als im Jahre 2003 zum ersten Mal der Vogelgrippe-Virus in Hongkong aufgetaucht ist, erlebte das Medikament zum ersten Mal Hochkonjunktur. Viele Länder deckten sich aufgrund der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Tamiflu ein, um für die drohende Pandemie gewappnet zu sein.

Der Umsatz erreichte im Jahre 2006 seinen vorläufigen Höhepunkt. Bereits in dieser Zeit hegt eine erste Studie der Cochrane Collaboration Zweifel an der Wirksamkeit des Medikamentes. Danach wurden immer wieder Studien veröffentlich, die zeigten, dass rund 98 Prozent der H1N1 Viren resistent gegen das Grippemittel sind.

Hat Roche Wirkung verschwiegen?

Obwohl die Wirksamkeit des Medikamentes bemängelt wurde, erlebte Tamiflu während der Schweinegrippe (2009) einen Aufschwung. 2010 wurde gar eine neue Rekordzahl erreicht. Wieso sind die Bedenken nicht schon eher von der Öffentlichkeit in diesem Masse aufgegriffen worden? Gemäss «Tagesanzeiger» blockierte Roche während längerer Zeit Daten, die in den Studien hätten verwendet werden sollen. Die Cochrane-Fachleute fanden keine brauchbaren Belege dafür, dass Tamiflu die Chance für einen Krankenhausaufenthalt verringert.

Im Gegensatz dazu besteht nach Ansicht der Forscher ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkung wie Übelkeit, Kopfschmerzen und psychische Störungen. In Anbetracht dieser Tatsachen soll Roche absichtlich Daten über unerwünschte Wirkungen zurückbehalten zu haben.

Umso mehr rührte das Pharmaunternehmen die Werbetrommel für das mutmassliche Wundermittel. Ändern will Roche an der Situation nichts: Die Cochrane-Gutachter seien «unerfahren im Umgang mit grossen Datenmengen» man erkenne sie «nicht als Instanz zur Beurteilung des Nutzens» von Tamiflu.

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