Schuldenkrise

Griechenland strebt Abgeltungssteuer mit der Schweiz an

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ihres Landes haben wohl einige Griechen die Schweiz als sicheren Hafen für ihr Geld gewählt

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ihres Landes haben wohl einige Griechen die Schweiz als sicheren Hafen für ihr Geld gewählt

Das hoch verschuldete Griechenland geht davon aus, dass viele seiner Bürger unversteuerte Gelder in der Schweiz versteckt haben. Das Land strebt deshalb mit der Schweiz eine Abgeltungssteuer an.

Der griechische Finanzminister habe gegenüber Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf das Interesse an Verhandlungen über eine Abgeltungssteuer angemeldet, sagte Roland Meier, Sprecher im Eidg. Finanzdepartement (EFD), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda zu einer Meldung der Zeitung "Financial Times Deutschland".

Die von Griechenland angestrebte Lösung würde sich an das Modell anlehnen, über das die Schweiz derzeit mit Deutschland und Grossbritannien verhandelt. Da es aber noch kein Verhandlungsmandat gebe, seien auch die Details noch nicht bekannt, sagte Meier.

Derzeit liefen keine Gespräche mit Griechenland, betonte EFD-Sprecher Meier. Wie viel unversteuertes Geld aus Griechenland in der Schweiz liege, lasse sich nicht abschätzen.

36 Milliarden Euro Steuerschulden

Steuerflucht ist in Griechenland ein grosses Problem. Es gebe in Griechenland 14'000 Menschen, die dem Staat zusammen rund 36 Mrd. Euro an Steuern schulden, sagte der griechische Premierminister Giorgos Papandreou im Interview mit der "Financial Times Deutschland". Und: "Es gibt auch Steuerflucht in die Schweiz."

Bei der Steuerfahndung sollen auch private Steuerfahnder zum Einsatz kommen: "Wir werden die Aufgabe wahrscheinlich an Privatfirmen outsourcen. Denn wir haben den Eindruck, dass der Verwaltungsapparat das nicht kann und sich bei dieser Aufgabe nicht sehr wirkungsvoll gezeigt hat", sagte der Regierungschef.

Griechenland habe keinen Verwaltungsapparat wie ein nordisches Land, der gut organisiert sei und dem einfach Anordnungen erteilt werden könnten, die dann verlässlich umgesetzt werden, räumte er ein. "Der ganze öffentliche Apparat ist sehr bürokratisch und wenig transparent. Es sind also Verwaltungsreformen nötig, die sehr tief reichen, bei denen man Mentalitäten von Grund auf ändern muss."

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1