Bergbau

Griechenland im Goldrausch: Brasilien investiert eine Milliarde Euro

Der Wald muss weichen: 70 Holzfäller machen Platz für die MineN.Pilos

Der Wald muss weichen: 70 Holzfäller machen Platz für die MineN.Pilos

Eine Minenausbau soll Griechenland zum grössten Goldproduzenten Europas machen. Das Gold von Chalkidiki weckt viele Begehrlichkeiten. Gegner sehen Landwirtschaft, Tourismus und noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr.

Die nordgriechische Halbinsel Chalkidiki, südöstlich der Stadt Thessaloniki gelegen, ist in Aufruhr. Der Grund: In Skouries soll eine Goldmine errichtet werden. Gefördert werden soll das Edelmetall künftig auch in einer derzeit inaktiven Mine im Küstenort Olympia. Die Förderung von Gold in Europa ist international ziemlich unbedeutend. Noch unbedeutender war sie bis dato in Griechenland. Nur etwa eine halbe Tonne jährlich wurde bislang gefördert. In China waren es im vorigen Jahr 355 Tonnen Gold. Doch das soll sich ändern. Griechenland soll 2015 Europas grösster Goldproduzent werden.

Das Gros soll in Skouries und Olympia gefördert werden – insgesamt 250 Tonnen mit einem aktuellen Wert von rund 15 Milliarden Dollar. Hinzu kommen reichliche Vorkommen an Silber, Kupfer, Blei und Zink. Das sind nach derzeitigen Marktpreisen noch einmal schätzungsweise 15 Milliarden Dollar, neue Funde in der Region und künftige Preissteigerungen nicht eingeschlossen. 25 bis 30 Jahre würde es dauern, bis das Gold von Chalkidiki ausgebeutet ist. So strebt es jedenfalls das Konsortium Hellas Gold an, an dem der kanadische Goldförderer Eldorado Gold mit 95 sowie der einheimische Bauriese Aktor mit 5 Prozent beteiligt sind.

Der Goldpreis lockt die Investoren nach Griechenland. Dorthin, wo ob der drohenden Staatspleite fast alles zum Stillstand gekommen ist. Griechenlands Ökonomie steckt im fünften Rezessionsjahr in Folge. Um einen Viertel ist sie seit 2007 eingebrochen. Die Arbeitslosigkeit hat die Rekordmarke von 25 Prozent geknackt, im Winter wird sie real auf 34 Prozent steigen.

Die Einen jubeln über neue Jobs

Das Gold von Chalkidiki ist für die einen mehr als ein Lichtstrahl im Tunnel. Vom Goldrausch erfasst ist zum Beispiel Eduardo Moura, Griechenland-Chef von Eldorado Gold. Das Unternehmen, einer der weltweit grössten Goldförderer mit Hauptsitz in Vancouver, will in den nächsten fünf Jahren rund eine Milliarde Euro in die Goldminen in Chalkidiki investieren. «Griechenland braucht mehr Firmen wie die unsere», sagt der Brasilianer. Das Personal in Chalkidiki sei schon auf mehr als 1000 Mitarbeiter fast verdreifacht worden. Es soll auf 1500 steigen.

Christos Pachtas ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Aristoteles. 16 Ortschaften hat sie, 20000 Menschen leben hier. Die Natur hat es gut gemeint mit diesem Fleck Erde. Berge mit Buchen- und Eichenwäldern, Bäche und Flüsse, malerische Meeresküsten. Hier wurde der Philosoph geboren, nach dem die Gemeinde benannt ist. Schon seit 4000 Jahren werden hier Metalle gefördert. Schon Alexander der Grosse soll in Aristoteles Gold fördern haben lassen, um seine Kriege zu finanzieren.

Andere fürchten um die Umwelt

Pachtas kämpft seit mehr als zwanzig Jahren für die Goldgewinnung in seinem Heimatort. 2002 schien sein Traum endgültig geplatzt, als Griechenlands oberstes Verwaltungsgericht die Goldförderung verbot. Der damalige Investor TVX Gold, ebenfalls aus Kanada, warf das Handtuch. Doch Pachtas gab nicht auf. Ob Ackerbau, Viehzucht, Imkerei, Fischerei oder Tourismus – alles sei mit der Goldförderung vereinbar. «In den nächsten fünf Jahren werden hier direkt und indirekt mit der Goldförderung 5000 Arbeitsplätze geschaffen. Das bedeutet Vollbeschäftigung in der Region.»

Die geplante Goldgewinnung zerstöre viel mehr Arbeitsplätze in Landwirtschaft und Tourismus, als sie schaffe, fürchten dagegen die Gold-Gegner. Um Gold im grossen Stil abzubauen, werden traditionell zudem hochgiftige Zyanide eingesetzt. Die Gegner protestieren nicht nur, sondern sie haben Klage erhoben. Das Urteil des obersten Verwaltungsgerichts soll demnächst fallen.

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