Flugverkehr

Golf-Airlines erobern den Schweizer Markt – Swiss fordert neue Regeln vom Bund

Eine A380 der Emirates am Flughafen Zürich

Eine A380 der Emirates am Flughafen Zürich

Mit günstigen Preisen und besseren Verbindungen blasen Golf-Airlines wie Emirates und Etihad in Europa zum Angriff. Bei der Swiss wächst die Nervosität vor abspringenden Passagieren. Der Bund soll nun weiterhelfen.

«Das neue Jahr fängt gut an: Ab heute setzt Emirates den A380 nach Zürich ein. Happy new year!», mit diesem Facebook-Eintrag kündigte der Flughafen Zürich die zweite Ankunft der Riesen-Maschine in der Schweiz an. Zwei Mal pro Tag ist der Luxus-Flieger nun auf dem grössten Flughafen der Schweiz zu bestaunen.

Im Headquarter der Swiss will die fröhliche Stimmung aber nicht aufkommen. Die zunehmende Konkurrenz der Golf-Airlines Emirates, Etihad und Turkish Airlines sorgen bei der Swiss für Nervosität.

Swiss-Manager Jean-Pierre Tappy sagt gegenüber der «NZZ»: «Dank den günstigen Rahmenbedingungen, unter denen die Golf-Carrier operieren, können sie den Markt mit Preisangeboten aufmischen, bei denen die europäischen Fluggesellschaften nicht mithalten können.»

Emirates und Co. zahlen keine Steuern

Tatsächlich profitieren Emirates, Etihad & Co. von speziellen Rahmenbedingungen an ihren Heimathubs: So herrscht beispielsweise über Dubai kein Nachtflugverbot, die Fluggesellschaften zahlen zudem weder Steuern noch Sozialabgaben. Laut Tappy kommen sie so in den Genuss eines 65 Prozent tieferen Preisniveaus.

Bund will prüfen

In der Schweiz ist derweil das Gegenteil der Fall: Längere Flugsperren in der Nacht, fehlende Kapazitäten und steigende Belastungen.

Tappy fürchtet, dass sich Europa so von den grossen Verkehrsströmen abkoppelt und so noch periphärer werde.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat nun den Flughäfen Genf und Zürich sowie der Swiss den Auftrag gegeben, die Risiken und Chancen für die Schweizer Luftfahrt mit Blick auf die Umwälzungen im weltweiten Luftverkehr aufzuzeigen.

Laut Sprecher Urs Holderegger würden mögliche Pläne zur Unterstützung der Schweizer Branche bereit liegen.

Golf-Airlines setzt auf Umsteigepassagiere

Die Zahlen bestätigen die Offensive der Golf-Airlines in Europa durchaus: Seit dem 1.Januar führt Emirates die Hälfe ihrer Flüge zwischen Zürich und Dubai mit der A380 durch, womit die Kapazität um fast ein Viertel oder 1100 Sitze pro Woche zunimmt. Die Nachfrage gibt der neuen Taktik durchaus recht: Die rund 350 Sitze sind zu etwa 80 Prozent ausgelastet.

Emirates setzt dabei vorwiegend auf Umsteigepassagiere, nur rund 40 Prozent bleiben in Dubai. Die Mehrheit der Touristen reist weiter nach Australien, Thailand, Indien, Mauritius, Sri Lanka, etc. Bereits im November erklärte Etihad, dass sie eine stärkere Präsenz in Europa anstrebe.

Bei der Swiss wächst dadurch die Nervosität: So ist der Himmel über der Schweiz faktisch offen, während die Verkehrsrechte für die Golf-Airlines etwa in Deutschland beschränkt sind.

Heute finden wöchentlich rund 800 Flüge aus der Golfregion nach Europa statt, aber nur rund 120 von europäischen Airlines Richtung Golf. Tappy: «Es wäre wohl angebracht, hier auf ein Gleichgewicht hinzuwirken.»

Spannungen zwischen Flughafen und Swiss

Am Bundesgericht ist momentan ein Streit über die Höhe der Gebühren zwischen Swiss und Flughafen Zürich hängig, auch in anderen Punkten kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden Parteien.

«Es ist wie in einer mittelprächtigen Ehe: Nach einigen Jahren beginnen erste Machtkämpfe, bald danach hilft nur noch ein Mediator», sagt ein Kadermitglied des Flughafens gegenüber der «NZZ». Demnach soll eine Aussprache Klärung bringen.

Emirates fliegt jetzt mit dem A380 täglich Zürich an

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