Löhne
Glückliche Chefärzte – arme Pferdepfleger: Wieviel die Schweizer verdienen

Manche Angestellte verdienen einen Fünftel dessen, womit Diplomaten rechnen dürfen. Das zeigt das neue «Lohnbuch 2016». Und: Mindest-Löhne unter 4000 Franken sind in etlichen Branchen weiterhin üblich – in einigen Fällen sanken die Tiefst-Saläre sogar.

Benjamin Wieland
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Im Spital verdient man sich eher eine goldene Nase als im Stall: Das zeigt das «Lohnbuch 2016».

Im Spital verdient man sich eher eine goldene Nase als im Stall: Das zeigt das «Lohnbuch 2016».

Keystone

In der Schweiz gibt es noch immer zahlreiche Branchen, in welchen der Mindest-Bruttolohn deutlich unter 4000 Franken liegt. Das zeigen die Zahlen des «Lohnbuchs 2016», das am Freitag erschienen ist.

Bei den tiefsten Mindestlöhnen sticht die Hauwirtschafterin oder der Hauswirtschafter Landwirtschaft hervor. In dieser Berufsgruppe werden Ende Monat brutto mindestens 2651 Franken ausbezahlt. Ein Teil dieses ohnehin schon geringen Sälars wird in der Form von Naturalleistungen geleistet, diese machen monatlich 990 Franken aus.

Ebenfalls schlecht bezahlt sind Pferdefachmann/-frau, Archivare und Kosmetikerinnen/Kosmetiker mit Brutto-Mindestlöhnen unter oder bei rund 3000 Franken.

Gut verdient man beim diplomatischen und konsularischen Dienst. Dort beträgt die Lohn-Empfehlung für Missionschefs/Diplomaten 13 474 Franken. Finanziell ebenfalls ordentlich gebettet sind Flugverkehrsleitende sowie Chefärztinnen und Chefärzte.

Lehre schützt vor Tieflohn nicht

Von den Tieflöhnen betroffen sind laut einer Zusammenstellung der «Sonntags-Zeitung» nicht nur Un- oder Angelernte, sondern auch Arbeitnehmerinnen und -nehmer, die eine drei- oder vierjährige Berufslehre absolviert haben.

Weiter hält die Zeitung zusammenfassend fest, dass sich bei den tiefen Salären in vielen Branchen nichts getan hat, und dies zum zweiten Jahr in Folge. In einigen Wirtschaftszweigen sind die Löhne gar gesunken, weil sie an die Teuerung gekoppelt sind.

Herausgeber des «Lohnbuchs 2016» ist das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich. Das Werk kommt jährlich heraus. Auf rund 800 Seiten gibt es laut eigenen Angaben einen umfassenden Überblick zu orts-, berufs- und branchenüblichen Löhnen sowie Mindestlöhnen in der Schweiz.

Die rund 9400 Lohnangaben stammen aus Gesamtarbeitsverträgen (GAV) sowie Empfehlungen und Statistiken schweizerischer Berufs- und Arbeitgeberverbände. Stichtag für die Erhebungen war der 1. Februar 2016.

Volks-Initiative hatte keine Chance

Vor zwei Jahren kam die Volks-Initiative zur Abstimmung, die verlangte, dass für alle Arbeitnehmer ein Mindest-Bruttolohn von 4000 Franken vorgeschrieben wird.

Das Begehren, das der Schweizerische Gewerkschaftsbund eingereicht hatte, wurde im Mai 2014 mit 76,3 Prozent Nein-Stimmen-Anteil verworfen.