Die Daten sind wahrlich eindrücklich - zumindest auf den ersten Blick: Es gibt Namen von rund 122'000 Gesellschaften, 12'000 Finanzintermediären und 130'000 Personen. Sie alle sollen im Zusammenhang mit so genannten Offshore-Gesellschaften stehen.

Ein Teil dieser Gesellschaften sei zweifellos errichtet worden, um Vermögenswerte vor dem Fiskus geheim halten zu können, schreibt «sonntagszeitung.ch». Sie ist Teil des internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ), dem die Unterlagen anonym zugespielt wurden. ICIJ beruft sich auf ein Datenleck, das laut der Website der «Sonntagszeitung» von zwei Firmen herrührt: Commonwealth Trust Limited von den Britischen Jungferninseln sowie Portcullis Trustnet, aus Singapur operierend.

2,5 Millionen Orginaldokumente

Der Datensatz mit 2,5 Millionen Originaldokumenten wurde durchs JCIJ weltweit über 40 Medien zugänglich gemacht, darunter der «BBC», «The Washington Post», «The Guardian», «Le Monde» oder der «Süddeutschen Zeitung». Es handelt sich mit über 260 Gigabyte um das grösste Datenleck, das jemals den Medien zugespielt wurde.

Die Unterlagen sollen auch Angaben über rund 300 Personen und 70 Gesellschaften in der Schweiz enthalten, so «sonntagszeitung.ch». Die Daten zeigten demnach sdetailliert, wie Schweizer Banken, Treuhänder und Anwälte tausende Gesellschaften in Steueroasen eröffnet hätten. Damit verunmöglichten sie es den Steuerbehörden weltweit, die Vermögen ihrer Kunden aufzuspüren.

Die Dokumente enthüllen laut sonntagszeitung.ch eine Reihe brisanter Schweizer Einzelfälle. Die Daten zeigen demnach etwa, dass hinter diversen Scheinfirmen das Schweizer Konto des Sohnes eines pakistanischen Ministers steht. Hinter einem Genfer Finanzberater, der eine Gesellschaft auf den Britischen Jungferninseln repräsentiert, steht eine Freundin von Mutter Theresa.

Auch die älteste Tochter des ehemaligen philippinischen Diktators Marcos ist auf der Liste genau wie die Sängerin Denise Rich. Auch der verstorbene Playboy und Millionenerbe Gunter Sachs soll mithilfe einiger Berater ein anonymes Firmengeflecht auf den Cook-Inseln und weiteren Steuerparadiesen errichtet haben.

Detaillierte Vorgehensbeschreibungen

Wie die Steueroasen genutzt wurden zeigt die Süddeutsche Zeitung am Beispiel der Baronin Carmen Thyssen-Bornemisza. Bei einer Auktion bei Sotheby's in London soll eine Firma namens Nautilus Trustees Limited mit Sitz auf den Cook-Inseln für 751'550 Dollar den Zuschlag für die «Wassermühle bei Gennep», ein Werk Vincent van Goghs aus dem Jahr 1884. Erst Monate nach der Auktion tauchte das Gemälde wieder auf: im Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid, als Leihgabe der Nautilus Trustees Limited.

Durch das Datenleck könne nun enthüllt werden, so die «Süddeutsche», dass die Besitzerin der Firma denselben Namen trage wie das Museum. Nautilus gehört Baroness Carmen Thyssen-Bornemisza, Spitzname Tita. Einst Miss Spanien, später die fünfte Frau von Hans Heinrich von Thyssen-Bornemisza, heute eine der wichtigsten Kunstsammlerinnen der Welt.

Anwälte geben Auskunft

Der Anwalt der Kunstsammlerin macht aus der steuerlichen Motivation gar keinen Hehl: Spanien erhebt eine Vermögensteuer auf Kunstwerke. Wären die Werke seiner Klientin in Madrid gemeldet, müsste sie jährlich 13,5 Millionen Euro zahlen, so die spanische Tageszeitung El Confidential.

Sachs wiederum soll über die Trusts keine Steuern hinterzogen, sondern vielmehr die Erbfolge geregelt haben, sagt sein Anwalt.