Die Grundidee der Swissness-Vorlage ist gut: Was mit Schweizer Rohstoffen hergestellt wird, verdient das Prädikat «Made in Switzerland».

Damit will der Bund Missbräuche unterbinden — beispielsweise für Apfelsäfte, die aus ausländischem Konzentrat mit Schweizer Wasser aufgefüllt und als Schweizer Produkte verkauft werden. Das ist insbesondere ein Anliegen des Schweizer Bauernverbands.

Gibt es bald kein Schweizer Bier mehr?

Gibt es bald kein Schweizer Bier mehr?

Der Teufel liegt aber wie so oft im Detail. So trifft die Vorlage Schweizer Bierbrauereien stark. Für die Herstellung von Bier benötigt eine Brauerei Wasser, Malz und Hopfen. Letztere zwei Rohstoffe werden in der Schweiz so gut wie gar nicht angebaut oder verarbeitet und müssen deshalb importiert werden. Somit bleibt nur das Wasser als Schweizer Rohstoff.

Trinkwasser ist unschweizerisch

Im betreffenden Markenschutzgesetz kommt der Rohstoff Wasser nicht vor. Erst in der Verordnung steht, dass Produzenten nur Quell- oder Mineralwasser verwenden dürfen, wenn sie mit der Schweizer Herkunft werben wollen. Das trifft Brauereien, welche für ihr Bier Trinkwasser aus der normalen Wasserleitung beziehen.

Doch damit nicht genug: Die Vorlage greift auch etablierte Marken wie das Appenzeller Bier an. Die Begründung: In der regionalen Bezeichnung Appenzeller verstecke sich indirekt ein Hinweis auf die Schweizer Herkunft. Der Name könnte deshalb nach aktuellem Stand der Verordnung verboten werden, falls die Brauerei nicht nachweist, dass sie ausschliesslich Quellwasser verwendet.

Dagegen wehrt sich der Schweizer Brauerei-Verband. Direktor Marcel Kreber sagt: «Wir sind der Meinung, dass die Herkunftsangabe Schweiz nicht nur auf der Herkunft der Rohstoffe basieren sollte, sondern auch die Fertigung in der Schweiz berücksichtigen muss.» Dennoch glaubt er nicht, dass die Vorlage das Schweizer Bier absichtlich torpediert. Kommende Woche trifft er daher die Verantwortlichen der Bundesverwaltung zum Gespräch.

Reportage: Bier brauen selbst gemacht dank Kurs in Ursenbach.

Reportage: Bier brauen selbst gemacht dank Kurs in Ursenbach.

Bauernverband für mehr Härte

Der Schweizer Bauernverband hingegen möchte das Gesetz nochmals verschärfen. In seiner Stellungnahme zur kürzlich abgeschlossenen Vernehmlassung schreibt er: «Wasser, auch Quell- und Mineralwasser, darf nicht dazu verwendet werden, aus ausländischen Rohstoffen durch Zugabe von Schweizer Wasser Schweizer Lebensmittel herzustellen.»

Zwar will der Bauernverband mit dieser Breitseite nicht die Bierbrauer, sondern die Importeure von Apfelsaftkonzentrat treffen. Er nimmt jedoch Opfer unter den Bierbrauern in Kauf.

Bei der Brauerei Locher AG, dem Hersteller des Appenzeller Bier, ist man über die aktuelle Lage verunsichert. Dennoch glaubt Chef Karl Locher, dass der Brauerei-Verband eine Lösung finden werde: «Wir haben keine Angst. Wenn man vor Blödheit Angst bekommt, kann man nichts mehr machen.»

Und Locher tritt dem Bauernverband ans Schienbein: «Aus wie viel Wasser besteht denn Kuhmilch?», fragt er rhetorisch. Bauernverbands-Präsident Markus Ritter relativiert die Angelegenheit: «Ich war bei der Ausarbeitung der Gesetze dabei. Dabei ging es nie um die Bierbrauer.»

Bierimport nimmt zu

Eine gute Nachricht kann der Schweizer Brauerei-Verband dennoch vermelden: Der Schweizer Biermarkt legte im Braujahr zwischen Oktober 2013 und September 2014 um 1,4 Prozent zu.

Allerdings relativiert sich auch diese Zahl. Denn rund 27 Prozent des Bierkonsums entfällt auf Importe. Und diese haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen (siehe Grafik).

Der Grund: Immer mehr Menschen trinken ihr Bier zu Hause statt in der Kneipe. Und im Laden kaufen sie lieber billige Importbiere als einheimisches Bier. Die Hauptimportländer sind dabei Deutschland (52 Prozent), Portugal (12 Prozent) und Frankreich (11 Prozent).