Im Minimum soll die Erhöhung 100 Franken betragen und die Teuerung ausgeglichen werden. Besonders bei den tiefen und mittleren Löhnen bestehe Nachholbedarf, sagte SGB-Präsident Paul Rechsteiner an einer Medienkonferenz am Freitag in Bern.

Rechsteiner begründete die Forderung nach mehr Lohn mit der konjunkturellen Entwicklung. "Die Schweizer Wirtschaft ist über alles gesehen sehr gut in Form", sagte er.

Die Bedenken, dass der starke Franken die Konjunkturaussichten für das nächste Jahr trübe, wischte er vom Tisch. "Der ungünstige Wechselkurs dient den Arbeitgebern als faule Ausrede, um die Arbeitnehmer um die verdiente Lohnerhöhung zu prellen", so Rechsteiner.

Nur etwa 10 Prozent der Beschäftigten arbeiteten in Branchen, die von der Frankenstärke betroffen seien, ergänzte SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Er prangerte die "Perversionen" gewisser Unternehmen an, die seiner Ansicht nach den hohen Frankenkurs für Massnahmen auf Kosten der Angestellten missbrauchten.

Als Beispiel nannte er den Industriekonzern Bucher, der trotz einem guten Ergebnis im ersten Halbjahr Arbeitszeiterhöhungen für die Mitarbeiter beschlossen habe.

SNB ist gefordert

Die negativen Währungseffekte über tiefere Löhne oder längere Arbeitszeiten zu kompensieren, sei die falsche Lösung, sagte Lampart. Paul Rechsteiner forderte: "Die Schweizerische Nationalbank muss ihren Job machen." Aus Sicht des Gewerkschaftsbundes bedeutet das die Festlegung einer Untergrenze für den Euro bei 1,40 Franken, wie sie der SGB in der jüngeren Vergangenheit wiederholt verlangt hatte.

Als Begründung für höhere Saläre führte Lampart neben der guten Wirtschaftslage auch die Entwicklung der Reallöhne ins Feld. Diese seien während des letzten Aufschwungs in den Jahren 2004 bis 2008 für die tiefen und mittleren Einkommen gesunken. Gleichzeitig sei die Arbeitsproduktivität zwischen 2002 und 2008 um durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr angestiegen.