Heute Montag informierte General Electric über den Umfang des geplanten Stellenabbaus: 1200 Stellen sind betroffen. Das sind ungefähr 15 Prozent weniger als ursprünglich vorgeschlagen. Dies sei Syna und der guten Arbeit der Arbeitnehmervertretung, als auch natürlichen Abgängen zu verdanken, schreibt die Gewerkschaft. Trotzdem bleibe Syna schockiert. «Der Standort Aargau wird ohne Not massiv geschwächt. Damit wird seine Zukunft riskiert», heisst es in einer Medienmitteilung. 

Der Kahlschlag sei unnötig: «GE steht heute als Unternehmen immer noch gut da, auch wenn der Aktienkurs in den letzten Jahren unter Druck geriet. Zudem entwickelt sich der Markt für Turbinen nicht ganz so schlecht, wie von GE prognostiziert.» In der Schweiz würden 684 Arbeitnehmende in die Arbeitslosigkeit geschickt, «nur um das Portemonnaie der Aktionäre wieder mehr zu füllen».

Syna sieht Zukunft gefährdet

Bei aller Kritik sieht die Gewerkschaft Syna auch Lichtblicke, so die Reduktion der Kündigungen: «Mittels guter Eingaben im Konsultationsverfahren konnte GE einerseits überzeugt werden, auf die Streichung von rund 200 Stellen in der Schweiz zu verzichten. Andererseits wurde die Zahl der zu kündigenden Arbeitnehmenden aber auch durch eine grosse Anzahl an freiwilligen Abgängen – gefördert durch einen 'Voluntary Leavers Plan' – reduziert.» Zudem übernimmt eine andere Firma 50 Arbeitnehmende von GE. «Positiv zu werten ist auch die Verlagerung des Standorts Oberentfelden nach Birr, verbunden mit Investitionen von rund 40 Millionen Franken. Damit sollen Stellen längerfristig gesichert werden.»

Auch wenn GE die Produktion in der Schweiz belasse, bleibe die Zukunft der Standorte unklar, schreibt die Syna. Sie kritisiert, dass die Restrukturierung zu teils massiven Kürzungen in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen führe. «Konkurrenzfähige Produkte brauchen eine innovative Entwicklungsabteilung. Soll bei uns also in Zukunft überhaupt noch produziert werden?»

Auch bei ArbeitAargau beurteilt man die Lage ähnlich. Der Stellenabbau sei ein «Debakel für den Aargau und die Betroffenen», sagt Geschäftsführerin Viviane Hösli. «Das kann man nicht schönreden. Trotz des Erfolgs, den die Gewerkschaft in den Verhandlungen erzielen konnte: Von der Politik hätte es mehr gebraucht.» Besonders vom Bund hätte sich Hösli mehr Unterstützung gewünscht. «Es braucht jetzt eine aktive Industriepolitik.» Bundesrat Schneider-Ammann habe noch Ende letzten Jahres den Stellenabbau als Spekulation hingestellt und auf die hervorragenden Rahmenbedingungen verwiesen. «Wie wir nun gesehen haben, genügt dies offenbar nicht.»

Auch Unia übt Kritik

Die Gewerkschaft Unia wertet die GE-Massnahmen weiterhin als ein «Debakel für den Werkplatz Schweiz» und wiederholt ihre Forderung an die Politik, einen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Industriepolitik zu machen. Man habe in der Vergangenheit vom Bundesrat gefordert, GE verbindliche Zusagen zur Sicherung der Produktion in der Schweiz abzuverlangen. Die Vorschläge der Arbeitnehmervertretungen auf europäischer und schweizerischer Ebene seien beim Management mehrheitlich auf taube Ohren gestossen, heisst es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.

Zweiter grosser Stellenabbau

Der US-Konzern fährt seine Aktivitäten im Bereich thermische Kraftwerke aufgrund der weltweit sinkenden Nachfrage zurück. In der Schweiz ist es bereits nach 2016 der zweite grosse Stellenabbau. In der letzten Runde wurden rund 900 Stellen abgebaut, nachdem zuvor rund 1300 geplant waren. GE hatte die Energiesparte Power in Baden 2015 von Alstom übernommen.

Der Konzern fährt die Kraftwerksparte weltweit zurück und will insgesamt rund 10'000 Stellen streichen. (kob/sda)