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Gewerkschaft plant Kampagne gegen Einkaufstourismus

Günstig Einkaufen im Nachbarland: Laut Unia stehen in der Schweiz 10 000 Stellen auf dem Spiel.

Günstig Einkaufen im Nachbarland: Laut Unia stehen in der Schweiz 10 000 Stellen auf dem Spiel.

Weil der Detailhandel unter der Frankenstärke leidet und Schweizer Arbeitsplätze bedroht sind, prüft die Gewerkschaft Unia eine Kampagne gegen den zunehmenden Einkaufstourismus

«Die Situation in den Grenzregionen hat sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert», sagt Natalie Imboden, Detailhandelsverantwortliche der Gewerkschaft Unia zur „Schweiz am Sonntag". Laut dem Marktforscher GfK gingen die Umsätze schweizweit im April um vier und im Mai um fünf Prozent zurück. Bliebe es dabei, wären laut Branchenkennern bis zu 10 000 Stellen in der Schweiz in Gefahr. Deshalb will die grösste Schweizer Gewerkschaft Unia nun aktiv werden.

«Wir prüfen, ob und in welcher Form wir eine Kampagne zur Sensibilisierung der Konsumenten lancieren können», sagt Imboden in der „Schweiz am Sonntag“. Man werde das Gespräch mit den Unia-Sektionen in den Grenzkantonen suchen. «Den Konsumenten muss klar sein, dass sie mit dem Einkauf in der Schweiz Arbeitsplätze sichern können», sagt Imboden.

Mit ihrem Plan wird die Unia zur Nachahmerin und unfreiwillige Erschafferin einer unheiligen Allianz: Denn bereits 2012 lancierte der Gewerbeverband eine Kampagne gegen das Auslandshopping unter dem Motto «Ja zur Schweiz – Hier kaufe ich ein». Dass sich nun auch die Unia eine solche Kampagne überlegt und damit unfreiwillig eine unheilige Allianz mit dem Gewerbeverband schafft, überrascht dessen Direktor Hans-Ulrich Bigler nicht: «Uns geht es beiden um die Sicherung der einheimischen Betriebe und Arbeitsstellen.»

Obwohl auch Bigler eine Verschlechterung der Situation beobachtet, plant sein Verband derzeit nicht, nochmals Geld in die Hand zu nehmen. Damals habe der Einkaufstourismus 4 Milliarden Franken ausgemacht, heute würden drei Mal so viel ins Ausland abfliessen. «Das zeigt, dass man mit einer Kampagne die Konsumenten höchstens sensibilisieren, aber nicht ihr Einkaufsverhalten ändern kann», sagt Bigler.

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