Neuausrichtung

Gesundheit statt grossen Bizeps: Fitnesscenter wollen keine Muckibuden mehr sein

Muckis waren gestern: Fitnessstudios wollen vermehrt auf Frauen und «Gesundheitsbewusstsein» setzen.

Muckis waren gestern: Fitnessstudios wollen vermehrt auf Frauen und «Gesundheitsbewusstsein» setzen.

Schweizer Fitness- und Gesundheitscenter wollen in Zukunft vermehrt auf präventive und gesundheitsorientierte Trainings setzen – im Fokus stehen die Frauen. Droht der klassischen Muckibude damit das Aus?

Der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter Verband (SFGV) hat seine Mitglieder gefragt, wo sie bei ihrer zukünftigen Ausrichtung den Schwerpunkt setzen wollen.

Das Resultat: Zwei Drittel (66 Prozent) wollen in Zukunft dem Thema «Gesundheitsbewusstsein» mehr Aufmerksamkeit schenken. «Gesundheitsbewusstsein» anstelle eines grossen Bizeps? «Das entspricht einem Kundenbedürfnis», erklärt SFGV-Präsident Claude Ammann.

Die Menschen hätten gemerkt, dass es ihnen nicht viel bringe, wenn sie einfach zwei, drei Mal pro Woche in Fitnesscenter gingen.

«Sie suchen nach einer ganzheitlichen Beratung», so Ammann. Dazu gehöre beispielsweise, dass man darüber spreche, wie viel Gemüse der Kunde esse und wie viel er im Schnitt schlafe.

Lehre und Klassifizierungssystem

Damit die Fitness- und Gesundheitscenter das nötige Wissen für solche Beratungen haben, hat der Verband eine eidgenössisch anerkannte Berufslehre ins Leben gerufen: Fachfrau/Fachmann Bewegungs- und Gesundheitsförderung.

Seit Sommer 2012 werden die ersten Lernenden ausgebildet. Das zweite Grossprojekt ist die Schaffung eines Klassifizierungssystems. Wie in der Hotellerie sollen künftig auch Fitness- und Gesundheitscenter mit ein bis fünf Sternen bewertet werden. Ammann: «Damit wissen die Kunden, welche Beratung sie erwarten dürfen.»

Sterne werden in erster Linie für die Ausbildung und das Know-How der Angestellten vergeben. Die Infrastruktur spielt in der Bewertung eine untergeordnete Rolle.

Die Umfrage des SFGV zeigt auch, dass sich viele Fitnesscenter (64 Prozent) in Zukunft noch intensiver den Frauen zuwenden wollen.

Dort sehen sie offenbar mehr Potenzial, obwohl bereits jetzt die Mehrheit der Stammkunden (54 Prozent) weiblich ist.

Ammann sagt dazu: «Frauen sind offener für ganzheitliche Ansätze der Gesundheitsförderung. Männer setzen eher auf Bankdrücken.»

Vor allem Männer unter vierzig Jahren seien nur schwer für neue Programme zu begeistern. Danach verringere sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Ein-Sterne-Studio für Bankdrücker

Doch was passiert nun mit den klassischen Bankdrückern? Müssen diese um ihre Muckibude fürchten? Ammann beruhigt:

«Nach wie vor sind alle Gäste willkommen und auch die Geräte ändern sich nicht.» Das Einzige, was sich mit der Neuausrichtung ändere, sei die Beratung.

Diese werde – für diejenigen, die wollen – umfassender. Wer einfach nur seinen Bizeps und Waschbrettbauch trainieren will, für den reicht in Zukunft ein Ein-Sterne-Fitnessstudio.

Nach 2011 war es die zweite Umfrage des SFGV. Der Verband hat 300 Mitglieder. Die gesamte Branche umfasst in der Schweiz rund 750 Betriebe.

Der Jahresumsatz aller Betriebe beläuft sich auf cirka 800 Millionen bis 1 Milliarde Franken. Die meisten Unternehmen (43,3 Prozent) haben zwischen 501 bis 1250 Mitglieder.

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