«Alle meine Alpträume haben mit Autos zu tun», bekennt Sandrine Salerno, 39 Jahre alt, SP-Politikerin und linke Bürgermeisterin von Genf. «Ich träume, dass ich nicht mehr bremsen kann und einen Jungen überfahre.»  Diese Traumsequenz sagt viel aus über Salernos Einstellung. Die bekennende ÖV-Benutzerin und Mobility-Kundin findet grundsätzlich kein gutes Haar am Auto: «Autos verschmutzen, sind teuer, machen Lärm, sind gefährlich und verstopfen die Strassen», erzählt sie der Westschweizer Zeitung «Le Matin«.

Gut - mit Autos hat sie nicht viel am Hut. Aber mit hübschen Frauen noch viel weniger. So sagt sie im Interview mit der Zeitung «Le Matin» ausserdem: «Ich verstehe diesen Mythos rund um die Hostessen, die Kunden anlocken sollen, nicht. Entweder denkt man hier in sexistischen Kategorien, oder man beleidigt den Autointeressierten.» Die Mutter zweier Mädchen von 5 und 3 Jahren gibt noch einen drauf: «Das muss ein Neandertaler sein, der Körperfleisch braucht, um sich für ein Auto zu interessieren?»

Hostessen - eine reine Männerfantasie?

Es sei zudem total «lächerlich» davon auszugehen, dass «das Auto nicht genug interessant ist. Eine Landwirtschaftmesse kommt auch ohne leichtbekleidete Mädchen auf hohen Absätzen aus.» Wütend ist sie aber darob nicht. Nur frage sie sich, ob man im 21. Jahrhundert mit solche einer Demonstration soll. «Wozu braucht es Hostessen? Wäre ich ein Mann, ich käme der Autos, nicht der Mädchen wegen. Aber vielleicht sind Hostessen ja einfach eine nur Fantasie für aufgeladene Männer», erzählt die dunkelhaarige Politikerin.

Unterstützung erhält sie dabei von Ex-Miss Schweiz Amanda Ammann, die in Genf studiert hat. In einem Interview mit «Radio 24» sagte Ammann:«Ich fand es furchtbar, wie wir als Frauen behandelt wurden, ich habe mich furchtbar aufgeregt.» Auftritte am Genfer Autosalon sind Pflicht für jede frischgebackene Miss Schweiz, und auch so manche Ex-Miss verdient an den Tagen dort noch gutes Geld. Ammann sagte in jenem Interview zudem: «Ich bin sehr erschrocken, wie sexistisch das Ganze ist. Man steht als Schmuckstück neben einem Auto, dass sich auf einem Teller dreht.»

Salerno wird trotz ihrer Aversionen gegen Autos und ihrer Abneigung gegen Hostessen den Salon eröffnen, da es zu ihren Pflichten gehört. Ablehnen wäre für sie nie in Frage gekommen. «Das hätte eine Polemik ausgelöst.» Der Ex-Brügermeister Christian Ferrazino hatte damals die Eröffnungszeremonie boykottiert. (cls)