Industrie

General Electric schrumpft weiter – Medizintechnik wird abgestossen

General Electric schrumpft weiter. (Archiv)

General Electric schrumpft weiter. (Archiv)

Der US-Industrieriese General Electric (GE) trennt sich von seinem lukrativen Medizintechnik-Geschäft und setzt damit seine Rosskur fort. GE Healthcare soll abgespalten und die Aktien zum grössten Teil an die GE-Aktionäre verschenkt werden, wie der Mischkonzern am Dienstag mitteilte.

Auch den erst vor knapp einem Jahr geschmiedeten Öl- und Gas-Ausrüster Baker Hughes will GE wieder abstossen. Das Programm, sich von Firmenteilen im Volumen von 20 Milliarden Dollar zu trennen, sei damit "praktisch abgeschlossen", hiess es in der Mitteilung. Der neue GE-Chef John Flannery dampft den Traditionskonzern damit auf Flugzeugmotoren, Kraftwerke und erneuerbare Energien ein.

"Wir gehen voran mit dem Ziel, unsere Gesellschaft einfacher und stärker zu machen und das Wachstum unserer Geschäfte zu beschleunigen", kündigte Flannery an. Er hatte vor einem Jahr die Führung des angeschlagenen Konzerns übernommen und seither die Strategie auf den Prüfstand gestellt.

Erst am Montag hatte GE den 3,25 Milliarden Dollar schweren Verkauf des Geschäfts mit Gasmotoren und Stromaggregaten um die österreichische Tochter Jenbacher an den Finanzinvestor Advent perfekt gemacht. Die Verkehrstechnik mit der Produktion von Lokomotiven soll mit dem Rivalen Wabtec fusioniert werden.

Die Aktie sprang vorbörslich um sechs Prozent nach oben -obwohl GE seit Dienstag zum ersten Mal nach 111 Jahren nicht mehr Teil des meistzitierten Börsenindex der Welt, des Dow- Jones-Index, ist. Der Abschied ist ein Zeichen für den Niedergang des einstigen Aushängeschilds der US-Wirtschaft, das den Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, zu seinen Gründern zählt. Noch vor zwei Jahren war GE unter den zehn am höchsten bewerteten Konzerne der Welt, zuletzt reichte es nicht einmal mehr für die "Top 150".

Mit der Abspaltung der Medizintechnik und der Zug-Sparte folgt GE dem Vorbild des Rivalen Siemens: Der Münchener Konzern hatte im Mai die Tochter Healthineers an die Börse gebracht und will die Zug-Sparte Siemens Mobility mit dem französischen Konkurrenten Alstom zusammenlegen.

Während Siemens aber zumindest an Healthineers langfristig die Mehrheit behalten will, verteilt GE 80 Prozent seiner Anteile an GE Healthcare in den nächsten 12 bis 18 Monaten an die Aktionäre, die übrigen 20 Prozent sollen zu Geld gemacht werden. Die Sparte, die in der Bildgebung (Röntgen, MRT, Ultraschall) mit Siemens konkurriert, steht mit einem Umsatz von 19 Milliarden Dollar für mehr als 15 Prozent des Konzernumsatzes.

In den kommenden zwei bis drei Jahren will Flannery die 62,5-prozentige Beteiligung an Baker Hughes in "einem geordneten Verfahren" abstossen. Die Öl- und Gas-Sparte von GE kam 2017 auf einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar. GE will mit dem Umbau die Schulden um 25 Milliarden Dollar reduzieren.

Die Finanzsparte GE Capital, die viele Projekte von GE-Kunden in der Energietechnik und der Industrie finanziert, soll deutlich eingedampft werden. Trotzdem werde sie voraussichtlich 2019 drei Milliarden Dollar frisches Kapital brauchen, räumte GE ein. Auch das Versicherungsgeschäft will GE zumindest zum Teil loswerden.

Drastisch verschlanken will Flannery auch die Zentrale: "GE ändert die Art und Weise der Konzernführung fundamental." Die Hauptverwaltung soll sich künftig vornehmlich um die Strategie, die Kapitalbeschaffung und das Personalwesen kümmern. Der Rest werde auf die Sparten verlagert.

Damit will Flannery bis 2020 die Kosten um mindestens 500 Millionen Dollar senken. Der Plan ähnelt dem Vorhaben von Siemens-Chef Joe Kaeser, einen "Flottenverbund" weitgehend selbstständiger Firmen zu schaffen, die schneller reagieren können als der schwerfällige Tanker in München. Kaeser will Insidern zufolge seine neue Strategie "Vision 2020+" im August vorstellen. Teil davon sollen auch hier Einsparungen in der Verwaltung sein.

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