Larry Culp gab seine ersten Massnahmen als neuer Chef von General Electric bekannt. Die Energiesparte (GE Power) soll neu organisiert werden: Zwei neue Einheiten sollen entstehen. Das schlecht laufende Geschäft mit Gasturbinen soll eine eigene Einheit bilden, in der auch die entsprechenden Services enthalten sind. Aus «anderen Firmenteilen» soll künftig eine zweite Einheit bestehen, wie etwa Dampfturbinen oder Lösungen für das Stromnetzwerk. Zudem soll die Unternehmenszentrale von Power «eliminiert» werden. Die zwei neuen Einheiten werden künftig direkt an Culp berichten.

Culp kündigte auch an, die «Kostenstruktur soll sich weiter verbessern». Ob diese Massnahmen auch den erneuten Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten, verriet er nicht. Auf eine Frage eines Analysten sagte Culp: «Es ist schwierig zu sagen, dass es nicht drastische Massnahmen braucht, wenn ein Geschäft solche Ergebnisse liefert, wie dies die Energiesparte derzeit tut.»

Die Energiesparte hatte erneut ein schlechtes Quartal. Die Bestellungen waren im dritten Quartal nochmals 18 Prozent tiefer als im Vorjahresquartal. Die Einnahmen waren gar 33 Prozent tiefer. Unter dem Strich stand ein Verlust von 0,6 Milliarden Dollar. «Wir sind nicht sonderlich stolz auf dieses Quartal», sagte Culp etwas später in der Fragerunde mit den Analysten.

Die Energiesparte hatte nicht nur mit einem schrumpfenden Gesamtmarkt zu kämpfen. Es gab auch technische Probleme mit einer neuen Generation von Gasturbinen, was zu zusätzlichen Kosten führte. Einige Kraftwerke mussten heruntergefahren werden, die mit der neuen Generation von Gasturbinen betrieben wurden.

Der Gesamtkonzern musste wie Anfang Oktober angekündigt eine milliardenschwere Abschreibung vornehmen. Diese fiel vor allem in der Energiesparte an. Dort betraf sie vor allem die Unternehmensteile, die 2015 vom französischen Konzern Alstom übernommen wurden. Dadurch entstand im 3. Quartal ein Verlust von 22,8 Milliarden Dollar. Diese Abschreibung hat nun eine Untersuchung durch US-Behörden ausgelöst, wie GE bekannt gab. Das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC wollen wissen, wie es zu dieser Abschreibung kommen konnte.

Einstige Ikone

Culp strich auch die Dividende zusammen. Die Aktionäre erhalten künftig noch einen Cent pro Quartal und Aktie erhalten, früher waren es 12 Cent gewesen. Mit dieser Massnahme spart GE jährlich 3,9 Milliarden Dollar. Allerdings gerät der Börsenkurs damit noch mehr unter Druck. Gestern liess er zwischenzeitlich um 9 Prozent nach. An der US-Börse hat GE seit Anfang 2017 rund 65 Prozent verloren. Zuletzt flog der Konzern nach über 100 Jahren aus dem Leitindex Dow Jones, ein weiterer Statusverlust dieser einstigen Ikone der US-Wirtschaft.

In der Schweiz hat GE mittlerweile rund 2400 Stellen abgebaut. Anfang 2016, also kurz nach der Übernahme des Energiegeschäfts vom französischen Alstom-Konzern, zählte GE noch 5300 Stellen in der Schweiz. Im Juni 2018, also rund zwei Jahre später, waren es noch 2800 Stellen, also 2500 weniger. Davon gingen etwa 100 zum Schweizer Industriekonzern ABB über, da dieser von GE das Geschäft «Power Industrial Solutions» gekauft hatte.