Im US-Konzern General Electric geht die Angst um. Das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken ist eingebrochen. Konkurrent Siemens hat bereits reagiert und gab diese Woche bekannt: von total 16 000 Arbeitskräften werden in dieser Sparte ganze 6100 gestrichen. Nun fürchten die GE-Mitarbeiter einen ähnlichen Kahlschlag in der GE-Kraftwerks-Sparte.

In dieser angespannten Situation führte der Industriekonzern General Electric am Donnerstag einen «Informationsanlass» für seine Mitarbeiter durch. Live über Webcast aus den USA übertragen, sprach das oberste Management zu seinen Mitarbeitern weltweit: Chef John Flannery, Russel Stokes, Leiter der Kraftwerkssparte, und Jamie Miller, Finanzchefin. Ihr Auftritt fiel völlig durch bei den Mitarbeitern, die um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Wie Mitarbeiter der «Schweiz am Wochenende» berichtet haben, kam die Führungsriege locker und entspannt auf die Bühne, Kaffeebecher in der Hand. Man lobte sich ausgiebig gegenseitig für die geleistete Arbeit der letzten Tage und Wochen und gönnte sich ein paar Spässchen. Unter anderem fand man es lustig, dass Flannery seine Finanzchefin telefonisch erreichte, als sie gerade im Vorzimmer eines europäischen Premierministers sass.

Es folgten weitere Sprüche und Durchhalteparolen. «Ohne Risiko wächst man nicht.» «Wir können die Zukunft definieren.» «Wir helfen einander in einer harten Zeit.» «GE hat etwas wirklich Magisches.» «Lest nicht die Zeitungen.» «Die Situation ist ernst, aber zu bewältigen.» Derweil warteten die verunsicherten Mitarbeiter auf konkrete Aussagen dazu, wie GE aus der Krise finden will.

Ein verärgerter Mitarbeiter empfand die Vorführung so: «Tausende Mitarbeiter warten, wissen nicht, ob sie an Weihnachten noch einen Job haben – und die Oberen haben nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen.» So erging es nicht nur diesem Mitarbeiter.

Am Freitagmorgen verschickte Chef Flannery an alle Mitarbeiter ein drei Minuten langes Video. Darin entschuldigte sich der oberste Chef von General Electric in aller Form bei seinen Mitarbeitern für den verunglückten Auftritt vom Vortag. In den Stunden danach muss es dem Vernehmen nach haufenweise negative Rückmeldungen gegeben haben.

Gefühl der Hoffnungslosigkeit

Damit hat Flannery eine verunglückte Woche hinter sich. Der neue starke Mann bei General Electric – Flannery ist seit diesem Jahr sowohl CEO als auch Verwaltungsratspräsident von GE – hatte am Montag schon an einer Investorenkonferenz enttäuscht. Die Investoren hatten konkrete Schritte erwartet, wie GE wieder in bessere Zeiten finden will.

Doch für Schlagzeilen sorgte vor allem, dass Flannery die Dividendenzahlungen halbierte und dass er GE eine Schrumpfkur verordnete. Alles soll abgestossen werden bis auf die Sparten zu Luftfahrt, Energie und Gesundheit. An der Börse fiel der Auftritt von Flannery durch. Der Kurs fiel am gleichen Tag um 7 Prozent, tags darauf gleich nochmals um 6 Prozent. Die Schrumpfkur habe die Zukunftssorgen überhaupt nicht gemildert, sagten Analysten. Einer sprach gar davon, der Anlass habe ihm ein «Gefühl der Hoffnungslosigkeit» gegeben.