Wie viele Stellen baut General Electric in der Schweiz ab? Die Frage treibt die Schweizer Belegschaft nicht nur am Hauptsitz in Baden seit Monaten um. Im November hatte GE den Abbau von weltweit 12'000 Stellen angekündigt. Davon sollen 4500 in Europa beziehungsweise 1400 in der Schweiz erfolgen. Heute Montag schafft der Konzern Klarheit: GE baut 1200 Stellen ab. 

Laut SRF wurden seit 9.30 Uhr die Angestellten im Gebäude «Konnex» in Baden über die Pläne informiert. Ebenso über das GE-Intranet.

Kurz nach 10 Uhr verschickte General Electric eine Medienmitteilung. Das Unternehmen habe die Mitarbeitenden über "die Resultate des Konsultationsverfahrens" informiert. 

Ziel des beschlossenen Plans ist es, "die grossen Herausforderungen auf dem Energiemarkt zu bewältigen und GE langfristig erfolgreich zu positionieren".

Gemäss GE sieht der Plan einen möglichen Abbau von höchstens 1200 Stellen vor – ungefähr 15 Prozent weniger als ursprünglich vorgeschlagen. Jedoch: "Aufgrund der natürlichen Fluktuation und des Anfang Jahr lancierten Austrittsplans beträgt die tatsächliche Anzahl der verbleibenden betroffenen Stellen höchstens noch 684."

Schwierige Situation

GE Power sei sich der sehr schwierigen Situation für die Mitarbeitenden bewusst und halte "am umfassenden und gut ausgebauten Sozialplan fest". Das oberste Ziel sei es, eine neue Stelle für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden.

Eine wichtige Rolle spiele dabei GE's eigener interner Stellen- und Beratungsservice. Dieser habe schon bei der letzten Restrukturierung "massgeblich dazu beigetragen, dass 90 Prozent der betroffenen Arbeitnehmenden eine neue Stelle bereits vor dem definitiven Austritt aus GE" gefunden hätten.

Im Juni 2017 beschäftigte GE in der Schweiz noch 4'500 Mitarbeitende. Nach der Umsetzung des angepassten Plans wird GE und ihre Tochtergesellschaften noch rund 2'800 Mitarbeitende zählen, davon mit 2'100 der Grossteil an den Standorten Baden und Birr, wie das Unternehmen auf Nachfrage mitteilte

Standort Oberentfelden wird gestrichen

Als weiteres Resultat der Konsultation wird GE 40 Millionen Schweizer Franken investieren, um den Standort Oberentfelden nach Birr zu verlegen, mit dem Ziel, einen konsolidierten, konkurrenzfähigen einzelnen Produktionsstandort im Kanton Aargau zu schaffen. Nach Abschluss dieses Prozesses gehören Baden und der neu ausgebaute Produktionsstandort Birr gemeinsam zu den 3 grössten GE Power-Standorten der Welt.

Kanton spricht von Massenentlassung

Der Aargauer Regierungsrat bedauert den Stellenbau "in dieser Dimension, den GE mit der Marktsituation im Turbinengeschäft und den weltweiten Restrukturierungen begründet", wie es in einer Mitteilung heisst. 

"Dieser massive Abbau von Stellen trifft den Industrie- und Forschungsplatz Aargau empfindlich", erklärt Regierungsrat Urs Hofmann, Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI), "für die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden und deren Familien ist dies eine schwierige und belastende Situation".

Der Regierungsrat hatte sich zusammen mit dem Bund für die positive Entwicklung des Forschungs- und Werkplatzes Baden eingesetzt und werde dies auch künftig tun, heisst es weiter.

Positiv zu werten sei, dass die globalen Headquarters für das Wartungsgeschäft (Power Services), für Dampfkraftwerke (Steam Power) und für die Produktion (Global Supply Chain) in Baden bleiben und GE in Baden auch künftig ein Zentrum für globale Innovationen für Gaskraftwerke sowie für Forschung und Entwicklung neuer Generationen von Gas- und Dampftechnologien betreibt.

Positiv bewertet die Aargauer Regierung zudem, dass GE Power 40 Millionen Franken in den Standort Birr investiert. Auch wenn die Verlegung der Arbeitsplätze von Oberentfelden ins Birrfeld für die Gemeinde Oberentfelden einen herben Verlust bedeutet, ist die Stärkung und der Ausbau des Standorts Birr ein deutliches Zeichen, dass die im Aargau bestehenden Produktionskapazitäten und die damit verbundenen Arbeitsplätze langfristig im Kanton erhalten bleiben.

Der Regierungsrat erwartet ausserdem eine grosszügige Umsetzung des Sozialplans. Im Rahmen des Sozialplans sind unter anderem Brückenmodelle für ältere Arbeitnehmende und die Verlängerung der Kündigungsfrist bei erfolgloser Stellensuche vorgesehen. Der Regierungsrat erwartet, dass GE alles daran setzt, soziale Härtefälle zu vermeiden und dass im Einzelfall grosszügige Lösungen getroffen werden.

Gewerkschaft: unnötiger Kahlschlag

Es sei ein Lichtblick, dass die Anzahl der auszusprechenden Kündigungen stark reduziert werden konnte, heisst es in einer Mitteilung der Gewekschaft Syna. Arbeitnehmervertretung und Syna hätten dank guter Eingaben im Konsultationsverfahren GE überzeugen können, auf die Streichung von rund 200 Stellen in der Schweiz zu verzichten. Die Zahl der zu kündigenden Arbeitnehmenden sei aber auch durch eine grosse Anzahl an freiwilligen Abgängen reduziert. Daneben übernehme eine externe internationale Firma 50 Arbeitnehmende von GE. Die Verlagerung des Standorts Oberentfelden nach Birr sei positiv zu werten, da damit Stellen längerfristig gesichert werden sollen.

An ihrer grundsätzlichen Kritik hält die Gewerkschaft jedoch fest. GE stehe als Unternehmen immer noch gut da und der Kahlschlag sei unnötig. Die Restrukturierung erfolge ohne Plan für die Zukunft und diene allein dem GE-Aktienkurs, heisst es weiter. Der Standort Aargau werde ohne Not massiv geschwächt. Zusammen mit der Arbeitnehmervertretung würden die Sozialpartner auch weiterhin darauf pochen, den GE-Abbauplan abzuändern.

Baden und der Aargau werden informiert

Laut SRF sollen am Nachmittag weitere Informationsveranstaltungen für einzelne Abteilungen anberaumt sein. Danach würden Sozialpartner, die Stadt Baden und der Kanton über den Stellenabbau orientiert.

Ein derart radikaler Abbau wäre eine «Katastrophe», sagte Thomas Bauer, der oberste Schweizer GE-Personalvertreter, Mitte Mai gegenüber dieser Zeitung zum damals geplanten Abbau von 1400 Stellen. Insbesondere auch für die Schweiz. Hier hatte GE schon vor gut zwei Jahren 900 Arbeitsplätze gestrichen. (jk/pz/sda)