Vor genau zwei Jahren übernahm die amerikanische General Electric das Energiegeschäft der französischen Alstom. Die Erleichterung an den Alstom-Standorten im Aargau mit ihren fast 6000 Arbeitsplätzen war gross: General Electric signalisierte – im Gegensatz zur deutschen Siemens, mit der sie sich einen Bieterkampf lieferte –, dass die Schweizer Standorte nichts zu befürchten hätten. Dennoch wurden kurz darauf rund 900 Stellen abgebaut.

Vor genau einem Jahr gab der für die Schweiz zuständige GE-Topmanager Paul McElhinney unserer Zeitung sein erstes Interview. Der Abbau sei nun abgeschlossen, verkündete er. Und weckte Hoffnungen: Man werde jetzt wieder Stellen schaffen.

Es kam erneut ganz anders. Bis zu 1300 Jobs sind in Gefahr. Man fragt sich: Was ist in den letzten zwölf Monaten passiert, dass sich die Aussichten ins Gegenteil verkehrt haben? Hat McElhinney die Krise des Gas- und Dampfturbinengeschäfts unterschätzt? Nicht nur die Branche, auch General Electric selbst steckt in Turbulenzen. Seit wenigen Wochen regiert ein neuer CEO. Nach dem enttäuschenden letzten Quartal («vollkommen inakzeptabel») kündigte er «radikale Veränderungen» an.

Hüst und hott: Das Kurzfristdenken der GE-Führung befremdet. «General Electric soll in der Schweiz eine grosse Zukunft haben», sagte Paul McElhinney vor einem Jahr, «das ist der ideale Standort für uns.» An dieser Aussage wird man ihn messen, wenn GE nun die Abbau-Pläne konkretisiert.