Die Zeitung bewertet die Kritik des emeritierten Ökonomieprofessors der Universität Basel als brisant, weil Bernholz der Nationalbank nahestehe.

"Wenn andere Notenbanken die Geldmenge derart ausweiten, wie das derzeit geschieht, müssen wir uns der Situation anpassen. Es geht um Schadensbegrenzung für die Schweiz", erklärte Bernholz mit Verweis auf die aktuellen Devisenkurse von 1,04 Franken pro Euro und von 91,60 Rappen pro Dollar.

Statt lediglich den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufzuheben, hätte die SNB im Januar einen Währungskorb einführen können, der je zur Hälfte aus Euro und Dollar bestehe. Das wäre laut Bernholz ein eleganter Übergang gewesen "und hätte verhindert, dass es einen Bruch bei den Erwartungen gab und das Vertrauen in die Nationalbank gelitten hat".

Deindustrialisierung verhindern

"Heute würde ich zum Beispiel empfehlen, die Untergrenze beim Euro bei 1,14 Franken und beim Dollar auf Parität zu setzen", sagte Bernholz weiter. "Wir dürfen auf keinen Fall eine Deindustrialisierung zulassen, wie sie in Grossbritannien passiert ist."

Bernholz räumte aber ein, dass am Anfang milliardenschwere Interventionen nötig wären, da die Nationalbank zuerst ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen müsse. "Das dürfte viele Milliarden kosten."

Auch die gegenwärtigen Negativzinsen der SNB von minus 0,75 Prozent hält der Notenbankexperte "für einen Fehler": Diese schreckten ausländische Investoren nicht ab. Weil der Swap-Satz zwischen den Währungen gestiegen sei, sei es immer noch attraktiv, Geld in der Schweiz anzulegen.

Die Folgen des Negativzinses zeigten sich auf dem Immobilien- und Aktienmarkt: "Investoren werden in die falsche Richtung, in riskantere Anlagen getrieben." Für die Pensionskassen sei es gravierend, und in der realen Wirtschaft komme es zu einer Fehlzuteilung von realen Ressourcen und Arbeitskräften.