Reisebranche

Geht doch: Wo Reisebüros bei den Kunden punkten

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Knecht Reisen meldet für das vergangene Jahr gegen den Trend der Branche einen Kundenzuwachs.

Das letzte Jahr war geprägt von der Frankenstärke. Immer mehr Schweizer kaufen im Ausland ein. Besonders zu spüren bekommen den Einkaufstourismus die Detailhändler, aber auch die Reisebüros. Diese spüren auch die Konkurrenz aus dem Internet. In der Schweizer Reisebranche kam es deshalb in den vergangenen Jahren zu einer eigentlichen Flurbereinigung, verbunden mit Übernahmen und Filialschliessungen. Sogar die Nummer eins der Branche, Kuoni, verabschiedete sich vom angestammten Kerngeschäft: Das europäische Reiseveranstaltergeschäft, darunter auch jenes der Schweizer Reisebüros, ging an die Reisesparte «DER Touristik» des deutschen Einzelhandelsriesen Rewe.

Rekordumsatz bei Baumeler

Die Knecht Reisegruppe, die vor 15 Jahren angefangen hat, Spezialreiseveranstalter aufzukaufen, konnte im vergangenen Jahr diesem Trend widerstehen: «Rund 80 Prozent der Buchungen finden bei uns in den Reisebüros statt», sagt Roger Geissberger, CEO der Knecht Gruppe. Dies gelte besonders bei Fernreisen nach Südamerika, Asien oder Afrika. Aber auch bei Aktiv-Ferien. «Es ist schwierig, von der Schweiz aus zu beurteilen, wie ein Angebot in Botswana aussieht. Hier sind unsere Kunden auf unser Fachwissen angewiesen», ergänzt Marcel Gehring, CEO des Bereichs Knecht Reisen. «Wir bieten im VIP-Bereich Concierge-Dienstleistungen an. Da kommt unser Berater zu den Kunden nach Hause. Wenn es sein muss, auch nachts um zwei.»

Auch wenn die Kunden nach wie vor mehrheitlich ihre Buchungen im Reisebüro tätigen, wird die Information übers Internet zentral. Deshalb baue man das Angebot laufend aus, um die Kunden auf allen sozialen Medien anzusprechen. Im nächsten Jahr wird
der Internet-Auftritt komplett überarbeitet.

Seine Position konnte der viertgrösste Reiseveranstalter der Schweiz also trotz der Frankenstärke verteidigen. Der Umsatz brach, bedingt durch den Währungszerfall, um 6 Prozent auf 160,3 Millionen ein, wie Geissberger gegenüber der «Nordwestschweiz» bekannt gibt. Auch der Nettokonzerngewinn nach Steuern von 3,31 Prozent des Umsatzes sank leicht gegenüber dem Vorjahr, die Ebit-Marge liegt sogar bei über 4 Prozent. «Wir können uns im Vergleich zur Konkurrenz mehr als sehen lassen. Es ist sogar ein Spitzenwert.»

Der Gesamtumsatz wurde von den insgesamt 14 Marken der Gruppe erwirtschaftet, die Stamm-Marke Knecht Reisen hatte daran einen Anteil von 74 Prozent. Um 30 Prozent verloren der Russland-Spezialist Kira Reisen, während Baumeler Reisen als Aktivferienveranstalter ein Rekordergebnis schrieb. Ebenfalls zu den Gewinnern zählte im vergangenen Jahr Glur Reisen. Separat ausgewiesen wird der Eurobus-Umsatz, der im vergangenen Jahr 118 Millionen Franken erwirtschaftete. Gesamthaft erzielte die Gruppe demnach einen Reiseumsatz von 278 Millionen Franken.

Umsatzzuwachs in diesem Jahr

Die Reiselust der Schweizer ist auch in diesem Jahr ungebrochen: «Während Badeferien leiden, verzeichnen wir per Ende Mai gruppenweit dennoch einen Umsatzzuwachs von 2 Prozent. Zählt man die fünf neu hinzugekauften Swiss Express-Firmen in Basel und die Lattitude in Vevey hinzu, sind wir schon um 17 Prozent gewachsen», sagt Geissberger. Beliebt sind in diesem Jahr Spezialreisen abseits der grossen Touristenströme, aber auch Kreuzfahrten und Aktivferien. «Wir bieten erstmals die Kombination von Veloreisen und Flusskreuzfahrten an. Anstelle des Landgangs unternehmen diese Gäste eine Velotour.»

Nach wie vor befindet sich die Reisebranche im Clinch mit dem Lufthansa-Konzern und damit auch mit der Schweizer Fluglinie Swiss. Dies, weil sie seit September 2015 eine Extragebühr von 16 Franken für Buchungen über ein etabliertes Buchungssystem bezahlen müssen. Nur Buchungen über die Websites der Lufthansa-Fluglinien sind davon nicht betroffen.

Viele Reiseanbieter haben schon Massnahmen gegen Lufthansa-Fluglinien angekündigt. Der Schweizer Reise-Verband hat bei der Wettbewerbskommission Weko eine Beschwerde eingereicht. Auch für Roger Geissberger ist die Gebühr ein Ärger: «Die Branche erwirtschaftet nach wie vor 70 Prozent der Buchungen für die Fluglinie.» Eine Alternative zur Swiss, wie dies andere Reiseveranstalter prüfen, sieht Geissberger jedoch nicht.

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