Grounding: Seitdem die Jets der Swissair vor zehn Jahren wie ein Mahnmal der Misswirtschaft am Boden standen, weiss jeder im Land, was Grounding heisst. Es tönt nach Niederlage, verbrannten Milliarden, nach bestraftem Übermut. Nach dem Grounding folgt zwar nicht – auch das hat die Geschichte um das Ende der Swissair gezeigt – der Untergang, aber ein langer, schmerzhafter Weg aus der Misere. Aber auch ein Weg, der zur Besserung führt. Im Fall der Schweizer Luftfahrt gar zu einer Situation, in der vieles anders, aber auch fast alles besser ist als vorher.

Insofern ist der Titel der ersten Gesprächsrunde am Open Forum – dem öffentlichen Teil des WEF – programmatisch: Euro-Grounding. Zwar war der Titel als Schocker gedacht. Und der Währungsökonom und Euro-Kritiker Wilhelm Hankel wurde nicht müde, seine These zu verbreiten, der Euro sei bloss noch ein «lebender Leichnam», «zwei Drittel der Euro-Länder» seien «pleite oder quasi-pleite», eine Währungsunion unter unabhängigen Staaten mit Budgethoheit ein Unding.

«Es gibt keine Euro-Währungskrise»

Aber, und das ist die eigentliche Message aus Davos: Alles wird gut, Franken-Stärke und Euro-Krise. Mr. Euro Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) und also oberster Hüter der Gemeinschaftswährung, machte klar: «Es gibt keine Euro-Währungskrise.» Die EZB habe bewiesen, dass sie «die versprochene Preisstabilität abgeliefert» habe und weiter abliefern werde. Sie habe ihren Teil der Verantwortung für den Euro stets wahrgenommen.

Es sei an den Regierungen, ihre Aufgaben zu machen – nämlich nachhaltig zu haushalten und keine Schuldenwirtschaft zu betreiben. Mehrfach forderte er die EU-Regierungen in seinen Statements auf, den «Quantensprung» zu machen – hin zu mehr «Koordination» in der Fiskal- und Budgetpolitik. Eine Umschuldung in den peripheren Ländern der Eurozone (Griechenland, Irland, Portugal, allenfalls Spanien und Italien) stehe «nicht auf der Agenda». Trichet sagte, dass 80 Prozent der Kriseninterventionen des Währungsfonds, der am Euro-Rettungsschirm beteiligt ist, ohne so genannten «Haircut» erfolgreich gewesen seien.

Damit trat der EZB-Chef den Gerüchten der letzten Tage entgegen, die natürlich auch in Davos ein Thema sind. Demnach gibt es Geheimpläne, die Schulden Griechenlands zu restrukturieren. Das würde bedeuten, dass Griechenland mithilfe der Gelder im Rettungsschirm Schulden zurückkaufen würde. Aber nicht zum vollen Preis, sondern mit einem Abschlag – dem «Haircut». Vorteil für Griechenland: Das Land, und vor allem seine Bevölkerung würden einen Teil der Schulden los und bekäme mehr Zeit, den Rest zurückzuzahlen. Und das erst noch zu tieferen Zinsen. Vorteil für die Gläubiger: Sie könnten immerhin einen Teil ihrer Ausstände ins Trockene retten, anstatt – bei einer Pleite des Landes – alles zu riskieren. Nachteil für Griechenland: Der Ruf des Landes als seriöser Kreditnehmer wäre dahin. Nachteil für die Gläubiger: Sie – allen voran Deutschlands Banken – müssten einen Teil ihre Gelder abschreiben. Und vielleicht erneut vom Staat gestützt respektive rekapitalisiert werden. Aber eben: Ein solches Szenario ist laut Trichet nicht auf der Agenda.

Das Licht am Ende des Tunnels

Glaubt das auch Dr. Doom, der US-Ökonom Nouriel Roubini? Seit er die US-Immobilien- und Finanzkrise vorausgesehen hat, gilt er zwar als Untergangsprophet, aber auch als prognosesicherer Wirtschaftswissenschafter. Kürzlich machte er Schlagzeilen, indem er sagte, die nächsten drei Monate seien entscheidend für das Überleben des Euro. Und in Davos am Open Forum? Für Roubini ist die Rettung des Euro jedenfalls keine «Mission impossible». Das Wichtigste sei, dass die maroden Schuldenstaaten wieder wachsen würden: «Die Bevölkerung muss Licht am Ende des Tunnels sehen. Ohne Wachstum werden die Sparprogramme nicht funktionieren, höchstens soziale Spannungen produzieren.» Sinke die Wirtschaftsleistung, sei eine Umschuldung unumgänglich, so Roubini. Er wiederholte deshalb: Wachsen sei wichtiger als Sparen.

Alles wird also gut. Oder könnte jedenfalls gut werden. Wie nach dem Grounding der Swissair.