"Wir müssen das besonders aufmerksam betrachten", sagte sie der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" am Montag. Nach ihren Worten wäre es problematisch, wenn Daimler mit einem Vertreter von Geely einen Konkurrenten in den Verwaltungsrat liesse.

Daimler wollte sich dazu wie zu allen anderen offenen Punkten nicht äussern. Geely-Eigner Li Shufu besuchte einem Insider zufolge Daimler-Chef Dieter Zetsche am Montag in Stuttgart und sollte in dieser Woche auch im Kanzleramt vorstellig werden.

Zypries hält es nach eigenen Worten auch für erklärungsbedürftig, wie Geely trotz der Meldeschwellen bei drei und fünf Prozent am Freitag erst das Aktienpaket von 9,69 Prozent offenlegen konnte. Dem "Handelsblatt" sagte die SPD-Politikerin, die unternehmerische Entscheidung des Geely-Einstiegs wolle sie nicht bewerten, und Deutschland begrüsse als offene Volkswirtschaft marktkonforme Investitionen.

Andererseits dürfe die Offenheit "nicht als Einfallstor für industriepolitische Interessen anderer Staaten benutzt werden." Geely-Manager Li hat Insidern zufolge gute Verbindungen zu Präsident Xi Jinping.

Die deutsche Regierung hat nach dem Aussenwirtschaftsgesetz erst ab einem Anteil von 25 Prozent in der Hand ausländischer Investoren ein Recht, das Engagement zu prüfen und Nein zu sagen. Das gilt allerdings nur für strategisch wichtige Industrien, wobei die Autoindustrie nicht ausdrücklich genannt wird.

Geely und Daimler gaben am Freitagabend bekannt, dass der grösste Autobauer Chinas auf einen Schlag mit fast zehn Prozent der Stimmrechte bei dem Dax-Konzern eingestiegen war.

Strategischer Aktionär

Der Stuttgarter Konzern begrüsste das Engagement des langfristig orientierten Aktionärs als Zeichen der Innovationsstärke und des Potenzials von Daimler. Geely-Haupteigner Li sei dem Autokonzern als besonders kompetenter Manager bekannt, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren könne.

Die Vertreter der Beschäftigten im Daimler-Aufsichtsrat wollen das Wirken des neuen Grossaktionärs bei dem Autokonzern genau im Auge behalten. Die Arbeitnehmervertreter wollten sich intensiv mit den Auswirkungen des Einstiegs der Chinesen, insbesondere auf die Sicherheit von Standorten und die Arbeitsplätze in Deutschland, auseinandersetzen, erklärten sie.

Ambitionen im Elektroautomarkt

Der chinesische Autobauer strebt eine Allianz mit den Schwaben an, um sich bei selbstfahrenden und elektrischen Autos gegen Konkurrenten aus den USA wie den Elektroautobauer Tesla, Google und Uber zu wappnen.

Die heimischen Hersteller in China stehen ebenso wie die westlichen Konzerne unter grossem Druck, wegen der schärferen Klimavorschriften das Angebot an Elektroautos zu verbessern.