General Electric
GE-Chef informierte bereits Analysten über Sparprogramm – Aargauer Regierung wusste von nichts

Konzern-Chef Flannery sagte zu Analysten, es werde ein Sparprogramm vorbereitet für die Energiesparte.

Niklaus Vontobel
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Unter Druck: Chef John Flannery muss General Electric aus der Krise führen.

Unter Druck: Chef John Flannery muss General Electric aus der Krise führen.

Bloomberg via Getty Images

Der amerikanische Industriekonzern General Electric (GE) plane in der Schweiz einen weiteren grossen Stellenabbau, schrieb die «Nordwestschweiz» gestern gestützt auf interne Quellen. Über tausend Arbeitsplätze stünden auf der Kippe an den Standorten Baden, Birr und Oberentfelden.

Wie sich nun zeigt, hat der GE-Chef John Flannery bereits Analysten informiert, dass ein Sparprogramm für die Energiesparte vorbereitet wird, zu der auch Standorte in der Schweiz zählen. Gemäss der amerikanischen Grossbank Morgan Stanley sagte Flannery anlässlich der Vorstellung der Geschäftszahlen zum dritten Quartal: «Unser Energie-Team schaut sich vertieft an, was diese Sparte für eine Kostenstruktur hat. Die aktuelle Kostenstruktur passt nicht zu dem Markt, in dem diese Sparte im Wettbewerb steht.» Man werde nun versuchen, die Sparte zu stabilisieren – im November werde man mehr von ihr hören.

Inzwischen melden sich die Angestellten-Verbände zu Wort. «Nach unseren Informationen wollte GE an den Schweizer Standorten bereits im September über einen Stellenabbau informieren, in unbekannter Grössenordnung», sagt Hansjörg Schmid, Sprecher von Angestellte Schweiz. Doch dann sei die Ankündigung vorschoben worden. «Nun wird sie intern für den November erwartet. Wir befürchten, dass ein paar hundert Arbeitsplätze gestrichen werden, bis zu tausend», so Schmid.

Für den Angestellten-Verband kommen die Entwicklungen von dieser Woche nicht überraschend. «Wir wussten schon seit einigen Wochen, dass die Stimmung an den GE-Standorten sehr gedrückt ist und die Mitarbeiter mit einer weiteren grossen Abbaurunde rechnen», sagt Hansjörg Schmid. Die Geschäfte in der Energiesparte würden schlecht laufen, entsprechend drohten neue Einschnitte.

Irgendwo werde GE den Rotstift ansetzen, und Angestellte Schweiz befürchtet, dass es vor allem an den Standorten in der Schweiz sein wird, nicht in Frankreich. «Dort wird die Politik viel mehr Druck machen gegen ein Abbauprogramm als bei uns», sagt Schmid.

Die nächste Abbau-Runde steht vor der Tür: Hauptsitz von GE Power Systems und Steam in Baden.
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General Electric
Russel Stokes, Chef der GE Power-Sparte
John Flannery (l.) übernimmt von Jeffrey Immelt (r.) den Chefposten bei General Electric. (Archiv)
Bei Alstom Schweiz sollen im Aargau 1300 Stellen abgebaut werden. Das ist rund jeder vierte Mitarbeiter des Unternehmens. Die Firma wurde 2015 von General Electric übernommen.
Bei Alstom Schweiz sollen im Aargau 1300 Stellen abgebaut werden. Das ist rund jeder vierte Mitarbeiter des Unternehmens. Die Firma wurde 2015 von General Electric übernommen.
Zweigniederlassung von General Electric in Birr.
General Electric wirbt mit Inseraten um die öffentliche Meinung in Frankreich.
Das Logo von General Electric

Die nächste Abbau-Runde steht vor der Tür: Hauptsitz von GE Power Systems und Steam in Baden.

Nordwestschweiz

Regierung kennt Abbau-Plan nicht

Massiv betroffen von einem Stellenabbau wäre der Kanton Aargau. Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann sagt, Gerüchte gebe es seit einigen Wochen, auch die Zahl von 1300 gefährdeten Jobs geistere herum. «Aber auch gegenüber dem Regierungsrat bestätigt das Unternehmen weder den Stellenabbau noch die Zahl der Betroffenen.»

Hofmann räumt ein, der Staat könne Entlassungen nicht verhindern. Die Regierung erwarte aber, dass sich GE an frühere Aussagen halte. Vor weniger als zwei Jahren hatte die Firma den Standort Aargau gelobt und neue Stellen in Aussicht gestellt

Macron wird sich wehren

In Frankreich segnete der damalige Wirtschaftsminister und heutige Präsident Emmanuel Macron persönlich den Deal ab, mit dem GE von Alstom die Energiesparte übernehmen durfte. Macron hätte ein Veto einlegen können, wenn er gewollt hätte. Das französische Gesetz über ausländische Investitionen hätte ihn dazu ermächtigt. «Heute wird Macron alles in Bewegung setzen, um französische Jobs zu retten.»

Inzwischen haben die Analysten die GE-Zahlen zum dritten Quartal verarbeitet – es ergibt sich kein schönes Bild. Vor allem die Energiesparte hat die Resultate heruntergezogen. Ihre Marge ist heute noch halb so gross wie noch vor zwei Jahren. Und: Die Aussichten sind nicht besser. Die Einnahmen schmelzen dahin. Für 2018 werden nun noch 4 Milliarden Dollar erwartet. Vor dem dritten Quartal war noch mit 5,23 Milliarden gerechnet worden. Ein Jahr zuvor waren es gar 7 Milliarden.

Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» verwies der Konzern am Montag auf die Informationen, die zum dritten Quartal veröffentlicht wurden. Mehr könne man zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen. Gestern dann präzisierte ein GE-Sprecher die Stellungnahme: «Wir können nicht bestätigen, dass es zu Stellenstreichungen kommen wird; auch die genannte Zahl von 1300 bedrohten Stellen können wir nicht bestätigen.»

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