Coronavirus

Gastrosuisse warnt: Im Gastgewerbe stehen 100'000 Arbeitsplätze auf der Kippe

Casimir Platzer: „Die Gastronomie steht kurz vor dem Kollaps" (27.10.2020)

Gastro-Suisse-Präsident Casimir Platzer: „Die Gastronomie steht kurz vor dem Kollaps"

Jeder zweite Gastrobetrieb sei von der Schliessung bedroht, in Gefahr seien 100'000 Arbeitsplätze. Laut dem Branchenverband Gastrosuisse steht das Gastgewerbe vor dem Kollaps.

(wap) Die erste Welle hatte das Gastgewerbe dank Kurzarbeit, Wirtschaftshilfen und einer zarten Erholung im Sommer überstanden. Nun droht die Stunde der Wahrheit: «Das Gastgewerbe steht kurz vor einem Kollaps», sagte Casimir Platzer, Präsident der Branchenorganisation Gastrosuisse am Dienstag vor den Medien. Die Situation habe sich in den letzten Tagen rapide verschlechtert. Teilweise seien die Umsätze regelrecht weggebrochen.

Gastrosuisse präsentierte am Dienstag die Ergebnisse einer Branchenumfrage. Diese liefert düstere Zahlen: Demnach steht jeder zweite Gastrobetrieb 2021 vor dem Aus. Zwei von fünf Betrieben müssen schon in den nächsten sechs Monaten aufgeben. 40 Prozent der Arbeitsplätze seien in Gefahr, sagte Platzer. Dabei gehe es um insgesamt 100'000 Arbeitsplätze.

Gegen Lockdown und neue Massnahmen

Gastrosuisse stellt sich entschieden gegen einen zweiten Lockdown und «alle Massnahmen, die nicht datenbasiert sind», wie Präsident Casimir Platzer sagte. Bei jeder Massnahme müsse zuerst klar anhand von Zahlen bewiesen werden, dass sie Wirkung zeigten. Bei den jetzt von vielen Kantonen beschlossenen Massnahmen sei dies klar nicht der Fall.

Weiter will Gastrosuisse finanzielle Unterstützung für die Branche. Dabei nannte Platzer drei Punkte:

  • Härtefallfonds: Bund und Kantone müssten die vorgesehenen Mittel sofort bereitstellen. Wo noch keine rechtliche Grundlage bestehe, sei diese sofort zu schaffen.
  • Kurzarbeit: Der erleichterte Zugang zu Kurzarbeitsentschädigung müsse nicht nur verlängert, sondern weiter ausgebaut werden.
  • Mieterlasse: Das Covid-19-Geschäftsmietegesetz müsse wie im Sommer beschlossen umgesetzt werden.

Kritik an Kommunikation von Taskforce und Bundesrat

Verantwortlich für die ernste Lage des Gastgewerbes seien nicht nur Schutzmassnahmen und fehlende Unterstützung durch die Politik, sondern auch die Kommunikation von Kantonen, Bund und Taskforce, kritisiert Gastrosuisse. Platzer verwies dabei auf eine Aussage von Taskforce-Mitglied Nicola Low. Die Berner Epidemiologin hatte vor zwei Wochen gegenüber CH Media erklärt, sie würde «momentan nicht in einem Restaurant essen» gehen.

Noch am selben Tag sei die Nachfrage komplett eingebrochen, sagte SVP-Nationalrätin Esther Friedli, die im Toggenburg selbst einen Gasthof betreibt: «Ich hatte an diesem Morgen nur Absagen.» Die ungeordnete Kommunikation von Kantonen, Bundesrat und Taskforce schaffe Unsicherheit und grossen wirtschaftlichen Schaden. Eine Strategie fehle, bemängelte Friedli: «Es herrscht Chaos, man hat das Gefühl dass über den Sommer gar nicht gearbeitet wurde, das ist Gift für die Wirtschaft.»

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