Nicolas G. Hayek

Funkenwerfer mit Spass am Leben

Hayeks Kampf gegen Grossbanken

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Nicolas G. Hayek war ein Macher, der sein Leben lang am Ball blieb. Bis zuletzt setzte er sich zum Beispiel für die Verkleinerung von Grossbanken ein.

Swatch-Erfinder Nicolas G. Hayek: Das waren die Stationen aus dem Leben dieses ungewöhnlichen Industriellen.

Ruedi Mäder

«Ich arbeite nicht, sondern habe Spass.» – Mit 15 wollte er Pianist werden, später Journalist oder Kernphysiker. Physik, Mathematik und Chemie hat er dann auch studiert. Geworden ist er Unternehmensberater und Industrieller. Wer war dieser Nicolas G. Hayek, der gestern Montag in Biel mit 82 einem Herzversagen erlag?

Der Sanierer. Als Sohn einer Libanesin und eines Amerikaners wurde Hayek 1928 in Beirut geboren. 1940 emigrierte er nach Frankreich, 1949 kam er in die Schweiz. Hier machte er sich bald als Unternehmensberater und Sanierer einen Namen. 1962 gründete er in Meisterschwanden die Hayek Engineering AG. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten für das Schweizer Fernsehen, die SBB, das Militärdepartement und die ETH Zürich, um nur einige Projekte zu nennen.

Mister Swatch. In den 80er-Jahren trug Hayek massgeblich dazu bei, die Schweizer Uhrenindustrie aus dem Jammertal an die Weltspitze zurückzuführen. Er hatte vorgeschlagen, die schwer ramponierten Uhrenfirmen Asuag und SSIH zusammenzulegen. Aus dem Fusionsprodukt SMH entwickelte er eine der rentabelsten Firmengruppen. Vielen Zweiflern zum Trotz bewies er mit dem Welterfolg Swatch, dass Billiguhren solider Qualität selbst in der teuren Schweiz mit Gewinn fabriziert werden können.

Marketing-Botschafter. Zur Wiederbelebung des eingeschlafenen helvetischen Uhrenriesen setzten Hayek und sein Team an zwei strukturellen Schwachstellen an: bei den teilweise archaischen Produktionsmethoden und beim Marketing. Die «Botschaft» (ein Hayekscher Lieblingsbegriff) für die Swatch: «Höchste Qualität, tiefster Preis, Provokation und Spass am Leben.» Ohne Lebens- und Kontaktfreude, so gab er dem jungen Journalisten einmal zu Protokoll, hätte er es nie zu seinem «Imperium» gebracht: «Nur wer emotional engagiert ist, kann Erfolg haben.»

Auch der Swatch-Erfolg hatte mehrere Väter. Als Hayek 1985 die Mehrheit an der Firma übernahm, setzte diese 1,8 Milliarden Franken um. 2008 waren es 5,7 Milliarden. Bloss sieben Jahre nach dem Durchstarten feierte das Bieler Unternehmen die 100-millionste Swatch. Nicolas Hayek blieb bis zu seinem Tod Präsident des Verwaltungsrates; seinem Sohn Nick hatte er 2003 die operative Führung übergeben. Nach aussen war (oder wirkte) der Patron tolerant. Intern aber konnte er «wie ein Panzer» sein, unerbittlich fordernd und ambitiös.

Unorthodox. Hayek war ein unorthodoxer Industrieller – nicht nur, weil er sich darauf kaprizierte, gleichzeitig mindestens drei Uhren zu tragen. Er war einer der wenigen einflussreichen Köpfe der Schweizer Wirtschaft, die keinem Bankverwaltungsrat angehörten. «Ich habe keine Zeit zu verlieren», merkte er mitunter lakonisch an. Er wolle nicht neben Bürokraten, Verwaltern und Galionsfiguren in fürstlich bezahlten Diskussionszirkeln sitzen, wo keiner dem anderen zuhöre. VIP-Anlässe mit gesellschaftlichem Etikett ohne Bezug zum eigenen Unternehmen waren ihm ein Graus.

Unbequemer Schweizer. Die Schweiz wurde für Hayek Heimat. Sie erlaubte ihm Unabhängigkeit und gab ihm Entfaltungsspielraum. Er glaubte an diese Gesellschaften, trotz Schwachstellen und Fehlern: Was man liebt, kritisiert man viel offener. Hayek wünschte sich eine selbstbewusste Schweiz, die sich auf der internationalen Bühne Gehör verschafft und die mitgestaltet. Eine Schweiz auch, in der verschiedene Kulturen zusammenleben, die wesentlich unbürokratischer als das übrige Europa ist und die daher eine Vorbildrolle spielen könnte und müsste – ausserhalb einer zentralistisch administrierten EU.

Bereits in den frühen 90er-Jahren betonte Hayek, die «Marketingbotschaft Schweiz» müsse erneuert werden. In Wirtschaftskreisen müssten möglichst viele hinstehen und betonen, dass dieses Land nicht aus Schmugglern, Gangstern und Geldwäschern bestehe. Zehn Jahre später war es Hayek, der mit einem Machbarkeitsbericht dazu beitrug, dass letztlich die Expo.02 doch noch realisiert wurde. Nicolas Hayek war ein Macher, der ein faszinierendes Kapitel Wirtschaftsgeschichte geprägt hat. Ein Funkenwerfer mit Spass am Leben, mit dem man über Gott und die Welt reden konnte. «Je mehr Bücher Sie lesen, desto mehr kommen Sie zum Schluss, dass es gar keine Alternative gibt zu einer für uns unerfassbaren Kraft, Stärke, Gott.»

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