«Wir wollen nicht ruhen.» Das hat sich die UBS vor einigen Monaten für ihren Neuanfang nach der Finanz- und Steuerkrise auf die Fahne geschrieben. Dass die Bank nicht zur Ruhe kommt, dafür sorgt zurzeit jedoch weniger sie selbst, als es die US-Behörden tun: Dieser Tage kommen immer neue Fälle von Bankern ans Licht, die in die Fänge der amerikanischen Justiz geraten sind.

Dass nun auch die zweite Schweizer Grossbank, die Credit Suisse, je länger, je mehr ins Visier der Fahnder gerät, ist hinlänglich bekannt. Nach dem Fall des CS-Beraters Emanuel Agustoni, der wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt ist, sorgte zuletzt der Fall des CS- und Ex-UBS-Bankers Christos Bagios für Aufsehen. Bagios soll 400 bis 500 Millionen an Kundengeldern vor dem US-Fiskus versteckt haben und musste sich letzte Woche in Florida vor dem Richter verantworten.

US-Fahnder sind noch nicht fertig

Immer mehr wird klar, dass die Fahnder der US-Justizbehörde sich mit der Erledigung des «Falls UBS» und dem Abschliessen des Staatsvertrags zwischen der Schweiz und den USA noch nicht zufriedengeben. Es ist gar von einer «zweiten Angriffswelle» («NZZ am Sonntag», «Cash») auf das Schweizer Bankgeheimnis die Rede.

Die Ermittler des Department of Justice wollten «weitere Kundendaten, und zwar um jeden Preis», so formuliert es ein ehemaliger Mitarbeiter der Behörde gegenüber der «NZZ am Sonntag». Gleichzeitig warnt ein US-Anwalt in der Zeitung davor, dass bei Steuerdelikten «lediglich zwei bis drei Kundenberatern nachgewiesen werden müsse, amerikanisches Recht verletzt zu haben, um die Bank selber anklagen zu können».

Was für UBS und CS nach neuem Ärger aussieht, könnte indes für viele kleinere Schweizer Banken geradewegs das Aus bedeuten. Dass man sich in der Schweiz – in Politik und Finanzbranche – so schnell darauf geeinigt habe, dass mit der UBS der Schlimmste aller Sünder gefunden worden sei, sei ein Irrtum, sagt ein Anwalt in der «NZZ am Sonntag».

In den Fokus der US-Justiz könnten nämlich in Zukunft auch kleinere Schweizer Banken geraten – auch wenn diese selber nicht direkt in den USA präsent sind. Dann nämlich, wenn sie Schwarzgelder aus den USA angenommen haben, die ihnen von den beiden Grossbanken im Zuge der Ermittlungen übergeben wurden. So schätzen Insider, dass «80 bis 90 Prozent der bei der UBS abgezogenen Gelder in der Schweiz blieben», heisst es dazu in der «NZZ am Sonntag». Auch dieses Geld – darüber sind sich die Experten weitgehend einig – werden die Steuerfahnder finden.

Aus Finanzsystem ausgeschlossen

Kommt hinzu: Bei Verdacht auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung dürften nicht nur die US-Banken, sondern auch die Schweizer Grossbanken den Geschäftsverkehr mit diesen kleineren Instituten abbrechen, um nicht selber Probleme mit dem Department of Justice zu bekommen. Das heisst faktisch, dass diese Banken aus dem internationalen Finanzsystem ausgeschlossen würden.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Neue Zürcher Bank (NZB): Sie hat letzten Freitag bekannt gegeben, dass sie ihr Brokerage-Team verkaufe. «Das harte Vorgehen der amerikanischen Justiz hat der Kleinbank das Genick gebrochen», schreibt «Cash». Den Banken werde es praktisch unmöglich gemacht, mit US-Kunden überhaupt noch Geschäfte zu machen, wird ein NZB-Mitarbeiter weiter zitiert.